Inhalt
- 2000 – Neues Jahrtausend – neues Glück?
- 2002 – Die Schwarz-Weiß-Verpaarung in der Schweiz
- 2003 – Schwarz-Weiß-Verpaarung in Deutschland und die Mühlen des Vereins für Deutsche Spitze; Groß- und Mittelspitz auf der Gefährdungsliste der GEH
- 2004 – Der Fall „Schneewittchens“ – das Ergebnis einer Vetternwirtschaft; American Eskimo Dogs & PR-Aktion in der Schweiz
- 2006 – Die Clusterstudie & Gründung der Spitz-Nothilfe
- 2007 – Braune Großspitze
- 2009 – Neue Wege in der Zucht – Die Umsetzung einer Vision
- 2010 – Die Spitz-Datenbank nimmt ihre Arbeit auf
- 2012 – Erste Einlage einer genetischen Reserve für die großen Spitze
- 2017 – Ein Offener Brief – und wieder die Mühlen des VfDSp
- 2018 – Kreuzungszuchtprojekt mit dem Finnischen Lapphund
- 2021 – Gengestütze Anpaarung, genetischer IK und Haplotypisierung
- 2024 – Das Landpinscherprojekt
- 2025 – Der VfDSP: Und täglich grüßt das Murmeltier! – Wurfstatistik Großspitze 2010 bis 2024
- 2026 – Wird sich etwas ändern?

Quo vadis – Deutscher Spitz?
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Neues Jahrtausend – neues Glück?
Kurz vor der Jahrtausendwende begannen zunächst einzelne, sehr engagierte Züchter wieder mit der Großspitz-Zucht. Für die schwarzen Großspitze war das der Zwinger „von Kauthen Ruh“ (Roswitha Gross-Lambrecht).
In diesem Zeitraum beschloss der VfDSp zum Entsetzen vieler Züchter der größeren Spitz-Varietäten, das Register zu schließen. Glücklicherweise wurde dieses absurde Ansinnen vom eigenen Dachverband, dem VDH, abgelehnt. Die Unsinnigkeit eines solchen Vorgehens ist auch leider bis heute nicht in die Köpfe mancher Spitzzüchter vorgedrungen, die immer noch versuchen, dies durchzusetzen.
Zu dieser Zeit kam das Internet auf, das erste Spitzforum wurde eröffnet und sehr schnell begann ein lebhafter Austausch von Spitz-Liebhabern (aller Varietäten und Größenschlage) zur Situation der Großspitze.
Zunächst führten Sascha, Werner und ich gemeinsam eine weltweite Unterschriftenaktion (die sog. „Offensive“) durch, um den Spitzverein dazu zu bringen, Zuchtstandard und Zuchtordnung dahingehend zu ändern, dass die Großspitze eine Überlebenschance hätten,



Diese Listen hatten wir per Mail rund um den Erdball an alle Spitzvereine verschickt (hier ist also nur die deutschsprachige Version) und bekamen sie auch ausgefüllt zurück. In Deutschland legten wir sie selbst überall aus – ebenfalls mit gutem Ergebnis. Obwohl sich in meinem näheren Umfeld offensichtlich auch Mitglieder des VfDSp befanden, die sie fleißigst z. B. aus den Warteräumen von Tierärzten verschwinden ließen. Scheinbar war ihnen ein Engagement für die Spitze so gar nicht willkommen . . .
Darüber hinaus führten wir mehrere sehr ausgiebige und erfolgreiche Presseaktionen durch, die erst für den heutigen Bekanntheitsgrad der Spitze gesorgt haben. Sören hatte sich an die Bildzeitung gewandt (man muss sie ja nicht mögen, aber sie hat ihren Zweck sehr gut erfüllt!), Werner war auch im Fernsehen.

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2002 – Die Schwarz-Weiß-Verpaarung in der Schweiz
Im Jahr 2002 erfolgte in der Schweiz eine Schwarz-Weiß-Verpaarung, aus der meine Hündin Banja majo no koya (schwarz mit weißen Abzeichen) hervorging und die leider, vermutlich aus der Tatsache resultierend, dass die weiße Mutterhündin Alena vom Seerosenweiher (IK 26.95%) einer Inzestverpaarung zwischen Orpheus vom Seerosenweiher mit seiner eigenen Tochter Ursina entstammte (die Nachkommen inzestuöser Verpaarungen zeigen meist in der F2-Generation Herzfehler!) und die Anpaarung überdies mit dem selbst hochgradig inzüchtigen (34.48%) schwarzen Falko von der Beyenburg erfolgte, auch zu tragischen Ergebnissen führte.
Während Banja durch den Umstand, von vornherein umfassende medizinische Rundumversorgung zu haben, ein für ihre Verhältnisse methusalemisches Alter von fast 9 Jahren erreichte (ihre normale Lebenserwartung lag bei max. 3 Jahren), verstarben sowohl ihr schwarzer Bruder Branko (1 Jahr), als auch ihre Mutter Alena (5 1/2 Jahre) extrem früh an ihren Inzuchtschäden.
Mit der Verschleierung ihrer genauen Todesumstände hat die Züchterin der Großspitzzucht einen wahren Bärendienst erwiesen, indem sie den eigentlich dafür Verantwortlichen die Möglichkeit bot, ihre Hände „in Unschuld zu waschen“!!!

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2003 – Schwarz-Weiß-Verpaarung in Deutschland und die Mühlen des Vereins für Deutsche Spitze
Durch die engagierten Züchterinnen Marina Arend und Roswitha Gross-Lambrecht konnte auch in Deutschland nach endlosem Schriftverkehr und gegen viele Widerstände, mit Unterstützung des damaligen Hauptzuchtwartes des VfDSp, Lothar Mende, 2003 schließlich eine Schwarz-Weiß-Verpaarung zwischen der weißen Buffy vom Steingarten und dem schwarzen Brit z Bratislavy durchgeführt werden und erbrachte im Zwinger „von den fidelen Pfoten“ einen Wurf mit drei reinschwarzen Rüden (Draco, Derrick und Django), einem schwarzen Rüden mit grauen Abzeichen und einer schwarzen Hündin mit weißen Abzeichen (Dana).

Durch derartige farbübergreifende Verpaarungen das Erbgut einer Zuchtpopulation aufzufrischen, ergibt natürlich nur Sinn, wenn mit den aus dieser Verpaarung gefallenen Welpen auch weitergezüchtet wird.
Die Weiterzucht mit der Hündin Dana, die in ihrem Heimatzwinger verblieben war, wurde dann allerdings seitens des Vereins nach allen Regeln der Kunst unterlaufen – wie an einem Auszug der damaligen HP der Züchterin Marina Arend (pdf) zu erkennen ist.


Banja wird ausgestellt
Obwohl vollkommen klar war, dass Banja u. A. wegen ihrer genetischen Bürde und ihres schweren Herzfehlers niemals in die Zucht gehen könnte oder dürfte und sie wegen ihrer weißen Pfoten und Abzeichen auf jeder Ausstellung diqualifiziert werden würde, habe ich sie im September 2003 in der Schweiz ausgestellt. Denn Banja war in den deutschen Wurfmeldungen schlicht und ergreifend unterschlagen worden, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Sie wurde also ausgestellt, damit schwarze Großspitze mit Abzeichen aktenkundig werden sollten und um eine Lanze zu brechen für gescheckte Großspitze in der Zucht!
Groß- und Mittelspitz auf der Gefährdungsliste der GEH
Ebenfalls 2003 wurde der Großspitz von der GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.) in die Kategorie I (extrem gefährdet) der Roten Liste aufgenommen, der Mittelspitz in die Kategorie II (stark gefährdet)!
(Von den dortigen Angaben zum Spitz stimmt allerdings leider so gut wie nichts . . . )
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2004 – Der Fall „Schneewittchens“ – das Ergebnis einer Vetternwirtschaft
Am 18.07.2004 platzte im Spitzforum eine Bombe, als die erschreckenden Ergebnisse jahrzehntelanger Vetternwirtschaft im VfDSp ans Licht kamen.
Zu den Hintergründen:
Der Züchterin Irmgard Fischer (weiße Klein- und Mittelspitze ,,aus dem Norden“) war der junge Rüde Bajazzo von einer Scheinkäuferin abgekauft worden und im preisgekrönten (!!!)1 Zwinger Schneewittchens gelandet, wo er unter unsäglichen Bedingungen vor sich hinvegetierte. Nachdem Frau Fischer davon erfahren hatte, wollte sie, wie es sich für eine verantwortungsvolle Züchterin gehört, den kleinen Kerl natürlich zurückholen, was ihr aber nicht gelang. Daraufhin setzte sie den VfDSp schriftlich in Kenntnis und bat um Hilfe. Es zeigte sich, dass sie nicht die Einzige war, die um Abhilfe gebeten hatte und der ursprünglich für diesen Zwinger zuständige Zuchtwart, Herr Kalkbrenner, bereits 1997 die unverantwortlichen Zustände dem Verein gemeldet hatte. Das Ergebnis seiner Einlassung war allerdings nicht eine Veränderung der Zuchtbedingungen oder Zuchtverbot, sondern der Austausch Herrn Kalkbrenners als Zuchtwart gegen Frau Dr. Riedel, die die Zuchtumstände als „nicht so schlimm“ bezeichnete.
Nachdem Frau Fischer auch den Amtstierarzt eingeschaltet und mehr als 60 Briefe geschrieben hatte – Alles ohne Ergebnis – und vom Zuchtwart aufgefordert wurde, endlich „Ruhe zu geben“, griffen schließlich befreundete Züchter ein und so wurden, zusammen mit einer Dame vom Tierschutz 20 völlig verwahrloste Hunde – zwei Hunde hatte man nicht gefunden – in der Nacht zum 19.06.2004 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Schuppen befreit, in den sie gesperrt worden waren.
Einer der Hunde hatte eine Beinverletzung, ein anderer ein eingewachsenes Kettenhalsband, einige waren fast haarlos und der Rest der Hunde musste, bis auf einen, geschoren werden. Eine läufige Hündin war mit mehreren Rüden in eine kleine Pferdebox gesperrt worden. Sie hatten, neben anderem Ungeziefer, tw. Räude, diverse Ekzeme und Entzündungen der Haut – zwei der Hunde waren so krank, dass man darüber nachdachte, sie zu erlösen. Der Tierschutzverein Reutlingen, bei dem 18 der Spitze gelandet waren, teilte mit, dass etliche Spitze wesentlich schlimmer aussähen als die auf den Fotos auf der HP der Gruppe Hansa, die ich hier mit Einwilligung des Fotografen (der also das Urheberrecht hat) einpflege:
Fotos zweier Hunde, die am 19.06.2004 aus dem VDH-Zwinger „Schneewittchens“ befreit wurden.











Das Gästebuch der Vereinsseite kollabierte und der Verein musste seine Seite schließen.
Nachdem dem Fotografen der Bilder und Beteiligten an dieser Aktion Repressalien angedroht wurden, löschte er damals die Fotos aus dem Forum – später wurde er dann mit einer anderen Begründung des Vereins verwiesen.
Gegen Frau Fischer wurde ein Verfahren wegen „Vereinsschädigung“ eingeleitet und schließlich erschien an Stelle der ursprünglichen Texte und Fotos folgende „Richtigstellung“ auf der Seite der Gruppe Hansa in Verbindung mit der Drohung, jeden zu verklagen, der die ursprünglichen Texte und Fotos noch verwenden würde (was natürlich unsinnig war, weil die Gruppe Hansa kein entsprechendes Urheberrecht hatte).
Kommentar zu dieser „Richtigstellung“ aus dem Forum:
Hallo,
für mich setzt diese „Richtigstellung“ des Hauptvorstandes zum Fall Kubsch, dem Ganzen die Krone auf. Es ist erschreckend wie leicht es sich der HV macht, jetzt wird einfach alles verdreht und die dummen sind die, die es gewagt haben, etwas zu unternehmen. Wenn der HV damit durchkommt, wird im VfDSp nie mehr einer den Mund aufmachen, wenn sich schon die 1. Vorsitzende der Gruppe Hansa und Mittelspitzbeauftragte des VfDSp, Frau Fischer kein Gehör verschaffen kann und auch Herr Kalkbrenner (1. Vorsitzender der Gruppe Dresden und ehemaliger Zuchtwart bei Frau Kubsch) kaltgestellt wurde, welches Mitglied wird dann künftig noch etwas sagen?
MEINE DAMEN UND HERREN VOM HAUPTVORSTAND SO SCHADEN SIE DEM VfDSP.
Ein großer Teil der Forumsmitglieder (inkl. mir selbst) kannte Frau Fischer persönlich als äußerst zuverlässige und verantwortungsvolle Züchterin von international hervorragendem Ruf, für die es keinen Grund oder Anlass gab, Unwahrheiten über ihren eigenen Verein zu verbreiten, in dem sie bereits seit 1985 erfolgreich züchtete. Dies gilt auch für den ehemaligen Zuchtwart Herrn Kalkbrenner und die übrigen Beteiligten. Ihnen allen blieb durch die Ränkeschmiederei des damaligen HV keine andere Wahl, als so zu handeln! Die aufschlussreiche Stellungnahme Herrn Kalkbrenners im Gästebuch des VfDSp war unverzüglich gelöscht worden. Allerdings hatte ich sie abgespeichert (andere hatten sie z. B. ausgedruckt) und so konnte ich sie im Originaltext ins Forum einstellen, wo sie dann für alle wieder lesbar wurde. Dieses Forum existiert noch heute, ist online und unter folgendem Link zu erreichen:
Der Fall „Schneewittchens“ – ein Armutszeugnis
Das Einzige, was fehlt, sind die Fotos, die ich mit Einverständnis des Urhebers hier erneut veröffentliche.
Ich möchte betonen, dass sich diese Veröffentlichung keineswegs gegen den Verein und seine Mitglieder als Gesamtheit richtet, denn es gibt hervorragende Züchter in diesem Verein!!!
Gäbe es sie nicht, wäre dies Alles nie ans Tageslicht gekommen!
Ich weiß, dass mir nun manch Einer vorwerfen mag, ich sei ein Nestbeschmutzer.
Das ist sehr einfach – ZU einfach!
Denn nicht ich beschmutze das Nest und ebensowenig die Menschen, die dieses Desaster aufgedeckt, beendet und öffentlich gemacht haben. Das Nest wurde und wird teilweise bis zum heutigen Tag beschmutzt von Vereinsmitgliedern, die seelenruhig ihre Vetternwirtschaft betreiben!
Dabei zeigen sie nur allzu gern mit dem Finger auf die Züchter außerhalb des eigenen Vereins. Aber „Hochmut kommt vor dem Fall“ und es wird allerhöchste Zeit, einmal aufzuzeigen, dass auch die Mitgliedschaft im VfDSp nicht befähigt, einen halben Meter über der Erde zu laufen. Es gibt dort ebenso schwarze und weiße Schafe, wie in jedem anderen Verein auch und da der VDH selbst meist der Erste ist, der solche Vorkommnisse, Zeter und Mordio schreiend, aufs Tapet bringt, wenn sie andernorts aufgedeckt werden, kann er für sich keine Sonderbehandlung erwarten! „Wat dem een sin Uhl, is em annern sin Nachtijall!“
Es ist an der Zeit, das Schweigen zu brechen, damit nicht vergessen wird, wer die wahre Verantwortung an dieser Misere trägt, denn
Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut,
sondern auch für das, was man nicht tut.
[Laotse]

Import und Umschreibung von American Eskimo Dogs zu Großspitzen
Ebenfalls 2004 wurden von Ilse Lauermann, der Inhaberin des Zwingers „vom Berg Sonnenhof“ die beiden American Eskimo-Dogs (Nachfahren großer deutscher Spitze, die von Auswanderern mitgenommen worden waren) Alpine’s Walk to Remember, IK 11,63% und Natur’s Puppy Love, IK 7,09% aus den Vereinigten Staaten geholt und eingekreuzt. Zwar gab es in diese Rasse, die nach dem 2. Weltkrieg so umbenannt worden war, in der Zwischenzeit Einkreuzungen anderer, leider auch jagender Hunde, in vielerlei Hinsicht sind sie aber unseren Großspitzen, zumindest optisch, teilweise auch im Verhalten, noch verhältnismäßig ähnlich. Aus meiner Sicht problematisch war/ist die Tatsache, dass diese Hunde, bei denen differenzierte gesundheitliche Untersuchungen trotz des Protestes verschiedener Züchter unterblieben, prcd-PRA-Träger waren und dass die Hunde trotz diverser bestehender Unterschiede 1 : 1 zu Großspitzen umgeschrieben wurden, statt das Einkreuzen auch als solches zu kennzeichnen und nach allgemein anerkannten kynologischen Grundsätzen durchzuführen. Vom Grundansatz her ist eine solche Erweiterung des Genpools sehr zu begrüßen wenn sie korrekt durchgeführt wird (wozu eben auch umfangreiche Gesundheits-Checks gehören) und ihre Ergebnisse transparent und überprüfbar sind.
PR-Aktion in der Schweiz
Im Schweizer Hundemagazin Nr. 2, März / April 2004 erscheint ein Artikel zum Großspitz – anklicken zum weiterlesen
Rasseportrait: der Grossspitz



und eine
Umfrage – Tipps und Meinungen von Halterinnen und Haltern über den Grossspitz


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2006 – Die Clusterstudie
Im Jahre 2006 wurde auf Veranlassung von engagierten Züchtern des VfDSp (VDH), die sich einen Überblick über die genetische Situation der verschiedenen Varietäten des Deutschen Spitzes verschaffen wollten, eine „Molekulargenetische Rassedifferenzierung für den Deutschen Spitz (Skript des Vortrags am 02.10.2006)“, bekannt auch als „Cluster-Studie“, durch Fr. Dr. Ina Pfeiffer von der Firma Genocanin erstellt.
Es hätte nicht nur dem Verein für Deutsche Spitze, sondern selbstverständlich auch den anderen Spitzzüchtern jederzeit frei (und vielleicht auch gut zu Gesicht) gestanden, sich daran zu beteiligen und die Studie sowohl in finanzieller Hinsicht, als auch durch das genetische Material weiterer Hunde zu unterstützen – dann wäre mit Sicherheit auch die Datenlage noch fundierter gewesen. Dennoch ist sie sehr aufschlussreich.
Gründung der Spitz-Nothilfe
Nachdem Werner über mehrere Jahre hinweg seine Internetseite „Spitze in Not“ allein betrieben hatte, wuchs ihm, trotz vieler Unterstützung durch andere (wir besuchten z. B. Spitze in Tierheimen und schrieben dann ein Profil der Hunde für seine Seite – dabei fand ich auch meinen Griepto) diese Arbeit über den Kopf und so wurde die „Spitz.Nothilfe“ gegründet, um die Arbeit in einem Verein auf möglichst viele Schultern zu verteilen.
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2007/2011 Braune Großspitze
Die braunen Großspitze galten zu Beginn der 2000er Jahre bereits als ausgestorben. Im Jahr 2007 wurden durch Kreuzung einer übergroßen und darum zum Mittelspitz umgeschriebenen braunen Kleinspitzin (Emmy von Schloss Lindenau) und schwarzem Großspitz (Giro-Gauner von der Beyenburg) braune Großspitze („H“-Wurf von Schloss Lindenau, 6 Welpen, Wurftag 31.12.2007) gezüchtet.
Im Jahr 2011 fiel im Zwinger „von Kauthen Ruh“ ein erster brauner Großspitz-Rüde Marik („M“-Wurf von Kauthen Ruh, 6 Welpen, Wurftag 14.03.2011), der durch Rückkreuzung aus den schwarzen Großspitzen Josie von Kauthen Ruh und Bosse von Haus Wildenrath gezüchtet werden konnte.
Der aktuelle Anteil der braunen Großspitze an der Gesamtpopulation ist allerdings nach wie vor sehr gering!
Aufgrund der genetischen Konstellation, die zur Ausprägung dieser Farbe erforderlich ist, wird er es auch bleiben!
![Marik von Kauthen Ruh
[Foto: © R. Gross-Lambrecht]](https://deutscher-spitz-geschichte.mistklaeffer.de/wp-content/uploads/2026/08/040-Marik-252x300.webp)
[Foto: © R. Gross-Lambrecht]
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2009 – Neue Wege in der Zucht – Die Umsetzung einer Vision
Im August 2009 wandte sich Andrea Baumbach auf Empfehlung Astrid Renkens (der „Erfinderin“ der Spitzdatenbank) an mich. Sie hatte zwei Hündinnen, mit denen sie züchten wollte: Die Wolfspitzin GREY EYOTA von den fidelen Pfoten und die schwarze ABBY vom Basaltgrauen Vulkan. Beide stammten aus dem Zwinger „von den fidelen Pfoten.
Eyota hatte sie bereits beim VfDSp ausgestellt und sie sollte von der Zucht ausgeschlossen werden. Nach einigem Hin und Her war sie dann aber zuchttauglich geschrieben worden.
Abby war eine Tochter von Dana aus der oben schon aufgeführten Schwarz-Weiß-Verpaarung in Deutschland und einem Wolfsspitz. Zu diesem Zeitpunkt waren die Inzuchtkoeffizienten gerade der Großspitze extrem hoch und es war die einzig sinnvolle Lösung, um wieder zumindest ein bisschen Boden unter die Füße zu bekommen. Gleichzeitig war allerdings klar, dass Abby nicht die geringste Chance haben würde, beim VfDSp zur Zucht zugelassen zu werden, weil es dort ausschließlich auf Farbreinzucht ankam und darauf, dass keine Wolfs- und Großspitze verpaart werden durften – Gesundheit, Vitalität und Genetik spielten dort keine Rolle. Zumindest nicht für den Verein, bzw. die Zuchtzulassung. Für etliche Züchter zwar schon, aber die fanden dort leider kein Gehör.
Und so konnte ich Andrea schnell davon überzeugen, dass es unabdingbar war, einen weiteren Spitzzuchtverein zu gründen. Andrea kam aus der Pferdezucht und hatte ein hervorragendes Hintergrundwissen zur Zucht und Genetik, inkl. Populationsgenetik usw. – lediglich das Wissen um die Spitze selbst hatte sie anfangs noch nicht, aber das konnte ich liefern. Und so beschlossen wir, zwei verschiedene Wege auszuloten. Während Andrea sich kundig machte, ob es andere Dachverbände gäbe und wie man die Dissidenzzucht gestalten könnte, kümmerte ich mich um die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen man einen zweiten Spitzzuchtverein im VDH aufbauen könnte, da der FCI-Standard nur über den VDH geändert werden kann. Denn da der BGH am 13.03.1986 das Urteil zur Hinfälligkeit des Ein-Platz-Prinzips für die Aufnahme von Zuchtvereinen in den VDH verkündet hatte, hätten sich auf diesem Wege selbstverständlich noch andere Perspektiven ergeben.


13. März 1986
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass für den VDH ein Aufnahmezwang für jeden Rassezuchtverein besteht, der nachweisen kann, dass er nach den anerkannten Regeln und schriftlich festgelegten Bestimmungen züchtet und ein Zuchtbuch ordnungsgemäß führt.
Das bislang vom VDH praktizierte „Ein-Platz-Prinzip“ ist unzulässig!
Dieser Weg erwies sich leider unter den damaligen Voraussetzungen als nicht gangbar, weil die Anzahl der dafür benötigten Züchter noch nicht ausreichte (es traute sich anfangs einfach noch niemand), und so unterstützte ich Andrea bei der Ausarbeitung der Unterlagen für einen neuen Verein um ihr mehr Raum zu geben für die Beschaffung vieler weiterer wichtiger Informationen. Entwürfe für einen vernünftigen Standard, Zuchtordnung etc., „flogen“ nur so zwischen uns hin und her und das Ganze musste schließlich noch vom IHV abgesegnet werden.
Im Februar 2010 war es endlich soweit und Andrea gründete die IG Spitze im IHV, die sich schnell zur Keimzelle weiterer Dissidenz-Zuchtvereine entwickelte, nachdem die Züchter erst einmal festgestellt hatten, dass es auch anders ging und den Mut fanden, neue Wege zu gehen.

© M. Putzer
Zitat (Andrea Baumbach)
Weshalb also gerade der IHV?
Als allererstes muss ich als Spitzzüchter hier die Bereitschaft dieses Verbandes nennen, mit uns Züchtern gemeinsam einen neuen Standart für die deutschen Spitze zu erstellen, nach dem die Hunde bewertet werden.
Der Vorstand des Vereins war bereit, die Notlage der deutschen Spitze, die zum Teil kurz vor dem Aussterben stehen (Großspitz schwarz Klasse 1 der gefährdeten Haustierrassen also höchste Gefährdungsstufe ; Mittelspitz Klasse 2) und zudem modisch vermischt mit Keeshonden, Eskies oder Pomms werden und somit der alte Typ verloren zu gehen droht.Wir Züchter haben einen neuen Standart formuliert und unsere Anforderungen belegen müssen. Dazu haben wir :
- Zuchtbücher der deutschen Spitze von 1937-39 und 1941-59 ausgewertet,
- alte Literatur zum Spitz herangezogen,
- moderne Fachliteratur zum Thema Genetik und Tierzucht durchgeackert
- eine Veterinärmedizinische Diplomarbeit, die sich der Hundezucht in kleinen Populationen2 widmet ausgewerrtet und die Resultate stark einfließen lassen
- den amerikanischen Rassestandart der Kees, Eskies und Pomms mit dem der Spitze verglichen
- unendliche Gespräche mit Züchtern in aller Welt geführt
- und nicht zuletzt alles einer Kommission des Vorstandes zur Prüfung vorgelegt
Dies alles führte dazu, dass wir nun die Möglichkeit haben in diesem Verband unsere alte Hunderasse auf der Basis von Tradition und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu züchten, ohne enge Verpaarungen oder gar Inzestwürfe durchführen zu müssen, oder gar zu dürfen. Wir alle sind sehr froh, dass in diesem Verband die Möglichkeit einer innovativen Zucht gegeben wird – im Sinne der Gesundheit unserer Spitze.
Dem Vorstand sind wir überaus dankbar, dass einer kleinen Gruppe, einer wenig populären Hunderasse so viel Verständnis und Entgegenkommen gezeigt wird und dass wir so unterstüzt werden.
Zum Zeichen der Dankbarkeit wurde dann die arme Abby fast totgeschlagen! Wahre Hundefreunde eben. Andrea hat den Spitzen daraufhin den Rücken zugekehrt, weil sie nicht einsieht, dass ein Tier darunter leiden muss, wenn sein Besitzer sich engagiert – eine nur allzu verständliche Reaktion.
Da die positiven Ergebnisse der von Andrea und mir ausgearbeiteten Zuchtunterlagen sehr schnell sichtbar wurden, dienten sie auch den weiteren neu gegründeten Vereinen mit unterschiedlichen Abänderungen als Vorlage für vernünftige Zucht und aus Gründen der besseren „Durchmischung“ und Auffrischung der Gene wurden von vornherein keine so rigorosen Vorgaben zur Farbverpaarung oder auch das Verbot von Verpaarungen zwischen Groß- und Wolfsspitz in die Zuchtordnungen aufgenommen.
Daraufhin nahmen die Wurfzahlen der Großspitze sowohl im VDH, als auch in den sog. Dissidenzvereinen zwar langsam, aber stetig zu und die Dissidenzzucht brachte höchst erfreuliche Ergebnisse, indem sie nicht nur endlich die extrem hohen Inzuchtkoeffizienten senkte, sondern auch viele lange verborgene Schätze im Erbgut der Spitze wieder zum Vorschein brachte. Die Einzigen, die eigentlich noch fehlen, sind die orangenen Großspitze
Seit einigen Jahren existieren nun also wieder sehr schöne andersfarbige Spitze!
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2010 – Die Spitz-Datenbank nimmt ihre Arbeit auf
Nachdem Astrid Renken auf eigene Initiative lange Zeit allein die Verwandtschafts-Daten von Spitzen gesammelt und bezüglich der Inzucht- und Ahnenverlustkoeffizienten ausgewertet hatte, wuchs ihr diese Arbeit logischerweise auf Dauer über den Kopf. Nachdem sie in Rücksprache mit Manfred Link, der bereits eine entsprechende Datenbank für Doggen erstellt hatte, diesen für die Spitze gewinnen konnte und ein Verein gegründet worden war, um die Arbeit auf möglichst viele Schultern zu verteilen, nahm Anfang März 2010 die heutige Spitz-Datenbank ihre Arbeit auf.
Mittlerweile ist sie nicht nur eine wichtige Informationsquelle, sondern auch aus dem Zuchtgeschehen selbst nicht mehr wegzudenken.
Sicherlich kommt gelegentlich der Vorwurf auf, die Spitz-Datenbank enthalte nicht alle oder auch falsche Informationen. Dabei wird allerdings offenbar übersehen, dass in der Datenbank nur die Daten verarbeitet werden können, die auch übermittelt wurden!
Wenn also Informationen fehlen oder falsch sind, liegt es nicht an der Datenbank, sondern an der Unaufrichtigkeit der Züchter, die Daten – z. T. vorsätzlich (!!!) – falsch angeben oder auch unterschlagen, um nach außen einen besseren Eindruck zu erwecken als es der Realität entspricht! Selbst zu Versuchen, die Datenbank zur Angabe nachweislich falscher Informationen zu ZWINGEN, ist es bereits gekommen – manche sog. „Züchter“ schrecken wirklich von Nichts zurück!
Dabei scheint Ihnen nicht klar zu sein, dass sie sich selbst eines ihrer wichtigsten Werkzeuge zur Zucht berauben (Transparenz!), das umso wertvoller wird, je korrekter und vollständiger die darin enthaltenen Informationen sind!
(Vorausgesetzt natürlich, man WILL gesunde Hunde züchten . . . )
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2012 – Erste Einlage einer genetischen Reserve für die großen Spitze
Allen Unkenrufen zum Trotz habe ich von meinem ausgezüchteten Rüden Anton Mistkläffer das allererste Spermiendepot eines Großspitzes hinterlegt. Der Versuch, andere Rüdenbesitzer davon zu überzeugen, das Gleiche zu tun, um im Falle eines erneuten sehr engen genetischen Flaschenhalses darauf zurückgreifen zu können, blieb leider lange Zeit ergebnislos.
Inzwischen erkennen zwar noch nicht sehr viele, aber doch einzelne Besitzer von Deckrüden die Wichtigkeit einer solchen Rücklage und die Vorteile von Tiefgefriersperma für den internationalen Austausch bei der Zucht in kleinen Populationen.
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2017 – Ein Offener Brief – und wieder die Mühlen des VfDSp
Durch die doch relativ stürmische Entwicklung der sog. Dissidenzzucht gerieten, wie erwartet (und beabsichtigt), die Spitzzüchter des VfDSp weiter in Bedrängnis, hatten allerdings, weil diesem Verein immer mehr Mitglieder „abhanden kamen“, auch endlich bessere Chancen, sich Gehör zu verschaffen. Denn in einer Konkurrenzsituation muss man seine Qualität eben beweisen, wenn man nicht untergehen will.
Am 10.08.2017 verfassten sie in Gemeinschaftarbeit einen Offenen Brief, den sie, da ja mittlerweile die Datenbank existierte, auch mit handfesten Daten untermauern konnten.
10.08.2017 Offener Brief der Großspitzzüchter
Daraufhin wurde dann 2019 ein Zuchtprogramm beschlossen, dass aber – wie man es ja leider von diesem Verein gewohnt ist – erst zum Jahr 2021 zum Tragen kam. Sind ja nur vier Jahre . . .
Ein sehr wichtiger Aspekt des neuen Zuchtprogramms ist die Möglichkeit der Verpaarung zwischen den verschiedenen Größenschlägen!
Dabei ergibt sich allerdings ein Problem aus der Tatsache, dass beispielsweise Mittelspitze, die zur Verpaarung mit Großspitzen einsetzbar wären, nicht zwangsläufig die dafür erforderlichen Untersuchungen (z. B. HD-Röntgen) haben. Und hier fällt den Großspitzzüchtern eine sehr viel ältere Zucht-Entscheidung des Vereins vor die Füße: Der Beschluss der 37. Generalversammlung von 1969, bei dem festgelegt wurde, dass der damals neu in den Standard aufgenommene Mittelspitz von den Kleinspitzen abstammen, bzw. mit diesen verwandt sein müsse. und Verpaarungen mit Spitzen, die zwar unter 40 cm Rückenhöhe aufweisen, aber von den Großspitzen abstammen, untersagt wurden.
Denn dieser Beschluss hatte zur Folge, dass viele der heutigen Mittelspitze genetische Veränderungen mitbringen, die auf eingezüchtete anderweitige Rassen mit anderen Eigenschaften in Klein- und Zwergspitze zurückzuführen sind und für die Großspitze Alles andere als eine Bereicherung bedeuten! Dazu zählen neben einer genetischen Veranlagung zu extremem Zwergwuchs auch überbordende Fellmassen, ein anderer Rutenansatz, Tendenzen zur Kurzköpfigkeit (Brachycephalie) mit verschiedensten schwersten erblichen Folgeerkrankungen (u. A. Chiari-like Malformation/Syringomyelie) und Anderes mehr, was nicht ausschließlich, aber doch überwiegend durch die Einzucht ausländischer Pomeranian in die Kleinspitze schließlich Eingang in die Population der Mittelspitze gefunden hat. Genau diese Merkmale sind dafür verantwortlich, dass der Zwergspitz/Pomeranian mittlerweile beim Qualzucht-Evidenz Netzwerk QUEN gelistet ist! Diese Veranlagungen haben in der jüngeren Vergangenheit selbst unter eingefleischten Züchtern von Klein- und Zwergspitzen dazu geführt, dass sie in ihrer Zucht auf gesündere, größere Varietäten umgeschwenkt sind.
Dieser Eintrag ins Erbgut der Mittelspitze wurde begünstigt durch die Praxis der Umschreibung zu groß gewachsener Kleinspitze zu Mittelspitzen. So war beispielsweise, wie oben bereits erwähnt, die 2007 zur Kreuzung mit einem schwarzen Großspitz eingesetzte braune Mittelspitzin Emmy von Schloss Lindenau, mit der die braune Fellfarbe bei den Großspitzen wiederbelebt werden sollte, eine umgeschriebene Kleinspitzin. Vergleicht man also diesen Wurf mit den braunen Großspitzen aus dem Zwinger „von Kauthen Ruh“, wird deutlich, dass hier keineswegs nur die braune Fellfarbe gesehen werden darf, sondern auch vollkommen andere Eigenschaften betroffen sind!
Vergleich
Klein- und Zwergspitz



Pomeranian



Da der Verein für Deutsche Spitze im VDH inzwischen farbübergreifende Verpaarungen zulässt, fallen dort logischerweise auch gescheckte und andersfarbene Welpen.
Wenn man sich dieses Zuchtprogramm dann also genau durchliest, stellt man fest, dass hier immer noch unerwünschte, sog. „Fehlfarben“ definiert sind, die zwangsläufig aus dem Zuchtstandard resultieren. Die auf diese Weise in die Welt gesetzten „fehlfarbenen“ Spitze sind dann von der Zucht ausgeschlossen. Aus genetischer Sicht repräsentieren aber genau diese fehlfarbenen Spitze stark durchmischtes Erbgut – die Farbe ist lediglich der äußerlich sichtbare Teil dieser Durchmischung
Dadurch, dass genau diese Hunde dann aus der Zucht ausgeschlossen werden, selektiert man den durch die Möglichkeit der farbübergreifenden Verpaarung erreichbaren/erreichten Zuchtfortschritt gleich wieder heraus und macht die vorherigen Bemühungen zunichte. Sicherlich nicht vollständig, aber zum größten Teil. Dabei kann man zwar einwänden, dass entsprechende züchterische Fortschritte nicht im „Hau-Ruck-Verfahren“, sondern langsam erreicht werden sollten. Auf der anderen Seite steht aber die genetische Drift, die ebenfalls an einen Zeitfaktor gebunden ist und umso schneller verläuft, je kleiner die effektive Zuchtpopulation ist. Diese beiden Faktoren müssen also zueinander ins Verhältnis gesetzt werden.
Da drängt sich der Eindruck auf, als habe hier jemand mitten in seinem Denkprozess mit dem Denken aufgehört.
Ist ja Alles auch wirklich ein bissel viel auf einmal . . . und so plötzlich!

Mittlerweile hat es auch entsprechende Beschlüsse gegeben, die aber nicht weitergeleitet wurden.
Je kleiner eine Zuchtpopulation ist, desto stärker muss die Öffnung solcher Zuchtvorgaben sein, um dem Genverlust durch genetische Drift überhaupt wirksam gegenzusteuern. Ansonsten verlangsamt man sie lediglich und verzögert einfach nur den Zeitpunkt bis zum Einsetzen kritischer Belastungen durch Inzuchtdepression!
Nach meinen Beobachtungen werden bei den Großspitzen in Deutschland und teilweise auch im benachbarten Ausland kaum noch Welpen geboren. Sehr häufig nimmt die Hündin nicht auf oder es werden Würfe mit einem oder zwei Welpen geboren. Sind es ausnahmsweise mal mehr, so versterben z. T. bis zu 40 % des Wurfes (oder noch mehr?) während oder kurz nach der Geburt (bis zu einer Woche).
Dieses sog. “Leerbleiben” der Hündin resultiert in den allermeisten Fällen aber nicht daraus, dass die Hündin tatsächlich nicht aufgenommen hätte, sondern es handelt sich dabei um eine sehr frühe Resorption nicht lebensfähiger, weil genetisch zu schwer geschädigter, Embryonen. Den gleichen Hintergrund haben auch die Würfe von nur einem oder zwei Welpen, Totgeburten und die sog. Frühsterblichkeit von Welpen.
Dagegen helfen auch weder Nachdecken, noch Wiederholungswürfe. Da sich die genetische Konstellation und damit die eigentliche Ursache des Problems nicht ändert, ist dieses Vorgehen wenig zielführend. Vielleicht kann man erreichen, dass einige der so gezeugten Welpen “mit Ach und Krach” zumindest ihre eigene Geburt er- oder sogar überleben – gesunde Zucht allerdings ist etwas Anderes! Es ist das wohl deutlichste Zeichen der Inzuchtdepression und exorbitanter Abnahme der Vitalität der gesamten Zuchtpopulation!!! Seit langem und vielfach nachgewiesen . . .1
Da also die Zucht der Großspitze (bei den anderen Varietäten beobachte ich Ähnliches, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß) genetisch dramatisch verarmt ist, bleibt nicht viel Zeit für Diskussionen, sondern gut durchdachtes und vor allen Dingen schnelles Handeln ist dringend erforderlich! (Siehe auch: Anmerkungen zur Kreuzungszucht bei den Großspitzen – 2025)
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2018 – Kreuzungszuchtprojekt mit dem Finnischen Lapphund
2018 fand in der Züchtervereinigung Erhaltungszucht Spitz (EZS) eine Auskreuzung zwischen der schwarzen Großspitzin Finja vom Gut Neuenhof und dem finnischen Lapphund Don od Kremilka statt. und die aus diesem Wurf gefallene Hündin VirpiI von Cuberin wurde zur Weiterzucht eingesetzt.
Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob die Auszucht mit einer anderen Spitzrasse, die definitiv noch Jagdtrieb hat, sinnvoll ist. Allerdings ist der Jagdtrieb beim finnischen Lapphund reduziert und nicht höher als bei vielen Deutschen Spitzen (leider) auch. In gesundheitlicher Hinsicht ist sie sicherlich als Fortschritt zu werten und wenn man berücksichtigt, wie häufig in der Vergangenheit Samojedenspitze mit deutlich mehr Jagdtrieb in die Spitze eingekreuzt wurden und dass dies heimlich geschah und nicht in der Ahnentafel vermerkt wurde, dann ist diese Auszucht durchaus positiv zu bewerten.
Im Gegensatz zu den heimlichen Einkreuzungen, wie sie beispielsweise im VfDSp immer wieder stattfanden aus der Not der Züchter heraus und als letzte Möglichkeit, schwerste Inzuchtdepression als Folge des dogmatischen und rigorosen Zuchtreglements zu verhindern, wird sie gut beobachtet und kontrolliert, sodass man anhand dieser Beobachtungen ggf. eine weitere Selektion, z, B, auf Jagdtrieb, vornehmen kann, was bei einer heimlichen Einkreuzung nicht möglich ist.
Zumindest ist es ein aktiver (!!!) Schritt in die richtige Richtung und sinnvoller, als jahrelanges ausschließliches Gerede oder geänderte Zuchtordnungen, die jeden durch sie erreichten Zuchtfortschritt unmittelbar wieder wegselektieren!
Inzwischen hat Virpi zwei Würfe in reiner Großspitzverpaarung erbracht – 2021 und 2024 und einer ihrer Söhne, Fiete von den Glücks-Spitzen, ist im VSVR zur Zucht zugelassen.
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2021 – Gengestütze Anpaarung, genetischer IK und Haplotypisierung
Im August 2021 habe ich nach Rücksprache mit der anerkannten Populationsgenetikerin Fr. Prof. Dr. Sommerfeld-Stur auf die Möglichkeit der gengestützten Anpaarung im Labor Feragen aufmerksam gemacht, sowie auf die Bedeutung des genetischen Inzuchtkoeffizienten und Haplotypisierung hingewiesen.
Nach anfänglicher Abwehr (wegen zusätzlicher Kosten) werden diese Möglichkeiten jedoch zunehmend von Züchtern genutzt, was die Qualität der Zucht erheblich steigern sollte.
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2024 – Teilnahme am Landpinscherprojekt
Die Situation der Groß- und Mittelspitze ist vergleichbar desolat wie zur Jahrtausendwende – die Anzahl der nach Bedeckung resorbierten Würfe nimmt ebenso stetig zu wie die Wurfgröße abnimmt (zunehmend mehr Würfe mit nur einem oder zwei Welpen!!!) – ein untrügliches Zeichen schwerster Inzuchtdepression und mangelhafter Vitalität! Hier ist mehr als dringender Handlungsbedarf angezeigt!
Entsprechend hat im Jahr 2024 mein Rüde Walther Llywellynn von Kauthen Ruh in einem wissenschaftlich sehr fundierten Kreuzungsprojekt langjährig erfahrener Züchter – dem österreichischen Landpinscherprojekt (Projekt zum Aufbau einer breiten genetischen Basis des Österreichischen Pinschers) – gedeckt mit den Zielen
- der Erweiterung des engen Genpools, insbesondere auch der Haplotypen (Gesundheitsaspekt) und
- der Erhaltung rassespezifischer Charakter- und Verhaltensweisen, insbes. fehlenden Jagdtriebes.
Dieser Wurf hat nicht nur hervorragende Ergebnisse für beide Seiten (Landpinscher und Großspitze) erbracht, sondern genau diese Vorgehensweise wird auch von der Gesellschaft für kynologische Forschung (GKF) als optimal angesehen, wie in Ausgabe 62 vom Dezember 2025 auf S. 30f des von der GKV herausgegebenen Infoheftes nachzulesen ist.
Drei Rüden zeigen nicht nur exzellente rassespezifische Eigenschaften, sondern haben eine bei den Spitzen nicht verbreitete Haplogruppe (ein wichtiges Kriterium für ein leistungsfähiges Immunsystem!) und sind bereits eng am anzustrebenden Exterieur, sodass vermutlich bereits ab der F2-Generation (die alledings bekanntlich noch einmal „mendelt“, die Gene also aufsplittet) nur noch mit geringfügigen Abweichungen zu rechnen ist!
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2025 – Der VfDSP: Und täglich grüßt das Murmeltier!
Das erste Viertel dieses Jahrhunderts ist um und ich möchte mal eine Bilanz ziehen:
Es ist viele Jahre her, dass ich mich entschlossen hatte, zusammen mit einigen wirklich guten Leuten ein paar Samenkörner in die Erde zu legen um unsere großen Spitze vor dem Aussterben zu bewahren.
Und viele, wirklich viele gute Leute haben unsere Initiativen aufgegriffen, weitere eigene entwickelt und mitgeholfen!
Weil die Hunde es wert sind!
Mir selbst war dabei wichtig, außerhalb sämtlicher Vereine zu bleiben, weil ich schon früh erkannt habe, dass man unabhängig sein und bleiben muss, um sich von nichts und niemandem beeinflussen oder unter Druck setzen zu lassen. Nur so kann man Dinge an- und aussprechen, die vielleicht vielen auf dem Herzen liegen mögen – sie aber nicht sagen können oder dürfen, weil sie z. B. von ihrem Verein dann mundtot gemacht werden.
Sowohl die Arbeit in Vereinen ist wichtig, als auch eine unabhängige Instanz außerhalb.
Bereits 2025 wurde von der Zuchtkommission des VfDSp der längst überfällige Beschluss gefasst, bestimmte Punkte im Zuchtstandard zu ändern. Trotz vieler Proteste und Anmahnungen der Mitglieder wurde aber dieser Beschluss nicht an den Dachverband VDH weitergeleitet. Verantwortlich dafür war derselbe Ränkeschmied, der bereits den über viele Jahre hinweg sich entwickelnden Fall „Schneewittchen“ zu verantworten hatte!
Wurfstatistik Großspitz 2010 bis 2024
Die Daten basieren auf den Meldungen der Datenbank für Deutsche Spitze.
Startpunkt ist das Jahr 2010, zu dem sich die sog. Dissidenzzucht der Spitze vereinsmäßig in Deutschland etabliert hat. Der Zeitraum beträgt somit 15 Jahre.
Zunächst ein Überblick über die Zahlen im Einzelnen:

Hinsichtlich der Entwicklung allgemeiner Zuchtzahlen ergibt sich in der Gegenüberstellung der Wurfzahlen von VDH und Dissidenz folgendes Bild:


Die Wurfzahlen sind gestapelt, die Gesamtzahl ergibt sich also aus der Summe und ist an der Obergrenze abzulesen.
(Wenn gute Zucht jahrzehntelang von schlechten Leuten verhindert wird, lässt sich das auch in Zahlen ausdrücken – wie gut, dass es inzwischen Alternativen gibt, die das Aussterben der Spitze verhindern können!)
Die Entwicklung der Welpenzahlen liefert ein ähnliches Muster, zeigt allerdings geringe Abweichungen, die durch unterschiedliche Wurfgrößen bedingt sind:


Die Zahlen für Wurfgröße und Anzahl extrem kleiner Würfe (< 3 Welpen) werden gesondert aufgeführt, da sie nicht nur ein Geburtsrisiko darstellen, sondern gleichzeit Kenngröße für Vitalität der Zuchtpopulation sind.
Dabei wurden im VfDSp (VDH) keine spezifischen Auffälligkeiten oder Schwerpunkte festgestellt – bei den Dissidenzvereinen waren auffällig zwei Zwinger des ORV, die regelmäßig Würfe mit nur einem oder zwei Welpen melden. Hier kann also nur eine Empfehlung an den ORV gegeben werden, die dortigen Zucht- und Haltungsbedingungen vielleicht zu überprüfen oder ggf. Unterstützung anzubieten! Für die Statistik erfolgte anschließend eine Bereinigung der Daten.


Wie aus der obigen Tabelle ersichtlich, wurden für beide Populationen Summenwerte errechnet, die für den Gesamtzeitraum von 15 Jahren gemittelt wurden. Für die Wurfstärken ergab sich daraus ein gemeinsamer Mittelwert von durchschnittlich 5,1 Welpen/Wurf und ein prozentualer Anteil extrem kleiner Würfe an der Gesamtzahl der Würfe von 13,02 %.
Im langfährigen Mittel liegt die Wurfstärke im VfDSp mit einer Abweichung von 0,26 deutlich unter der mittleren Wurfstärke der Gesamtpopulation, allerdings sind kleine Würfe etwas seltener als in der Gesamtpopulation. Hier gibt es einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen Abnahme der Wurfstärke und im gleichen Zeitraum ansteigender Zunahme von Ein-, bzw. Zweifrüchtigkeit – ein eindeutiges Problem der Vitalität der Zuchtpopulation!
In den Dissidenz-Zuchtvereinen ist das Verhältnis genau umgekehrt: Die Wurfstärke liegt mit einer Abweichung von 0,38 für den Gesamt-Zeitraum klar über der durchschnittlichen Wurfstärke der Gesamtpopulation, allerdings sind extrem kleine Würfe prozentual auch etwas häufiger. Nach anfänglichen (zu erwartenden) Problemen mit sehr kleinen Würfen scheint sich die Häufigkeit aber einzupendeln.
Die Werte für die jeweiligen Jahre können aus den Diagrammen abgelesen werden.
Die in der Datenbank vorliegenden Zahlen können in dieser Form jedoch keine Aussage liefern zum sog. „Leerbleiben“ der Hündinnen, welches in den meisten Fällen kein echtes Leerbleiben darstellt, sondern auf der Resorption nicht lebensfähiger Feten beruht, noch geben die Zahlen Auskunft über totgeborene oder früh-verstorbene Welpen. Dieser Aspekt lässt sich daher nicht darstellen, muss aber in der Praxis berücksichtigt, also innerhalb der Zuchtvereine thematisiert werden,
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2026 – Wird sich etwas ändern?
Im Jahr 2026 wurde im VfDSp – mal wieder – ein neuer Vereinsvorstand gewählt und es wurden zumindest einige Beschlüsse zum Standard und zur Zuchtordnung verabschiedet, die Mut machen. Allerdings müssen diese jetzt noch das übliche Procedere im VDH und in der FCI durchlaufen – wirklich spruchreif ist das Ganze erst mit der Veröffentlichung eines neuen Standards und einer neuen Zuchtordnung!
Wenn man nun im Hinterkopf hat, dass der Offene Brief der Großspitzzüchter von 2017 bis zur Umsetzung in ein neues Zuchtprogramm ganze 4 Jahre gebraucht hat, darf man wohl gespannt sein, wann die neuen Beschlüsse der GV von 2026 dann umgesetzt sein werden. Und, soweit ich informiert bin, wäre der VfDSp dann (vielleicht im Jahr 2030?) endlich soweit wie die so gern verteufelten Dissidenzvereine im Jahr 2009!
Das nenne ich mal einen Fortschritt!
Wie auch immer:
Wichtig sollte nur das gemeinsame Ziel sein, in Zukunft gesunde Spitze mit einem spitztypischen Charakter zu züchten!
Es gibt viele Meinungen zur Zucht – nicht nur bei Spitzen. Und nicht nur bei Hunden. Nicht einmal bei Tieren im Allgemeinen. Da wird Farbreinheit ins Feld geführt und sogenannte „Alte Linien“, die vermeintlich noch rasserein wären. Es werden Abstammungsnachweise verlangt und genetische Rassereinheitszertifikate. So lange irgendwelche Aspekte eine Rolle spielen für die Gesundheit (!!!) unserer Spitze ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn all diese Dinge aber zum Selbstzweck mutieren und unter Entwicklung einer hohen Eigendynamik anfangen, mehr zu zählen als das Überleben der ganzen uralten und wertvollen Hunderasse selbst, sollte man sich ernsthaft fragen, was in den Köpfen solcher Leute eigentlich vor sich geht und ob dies vielleicht nur die sichtbare Spitze eines ganz anderen Eisbergs ist, aus dessen Kontext solche Prioritäten hervorgehen . . .
Vielleicht können sich ja auch andere Züchter dazu durchringen, anstatt bis zum St.-Nimmerleinstag zu diskutieren, z. B. die zur Verfügung stehenden Rüden der F1-Generation aus der gut durchdachten und sorgsam durchgeführten Zusammenarbeit mit dem Landpinscherprojekt zur Erweiterung des Genpools der großen Spitze einzusetzen, bevor sie in Spermienruhe gehen und wieder einmal eine wertvolle Chance sinnlos verstrichen ist!
Der aus der Kreuzungszucht mit dem Finnischen Lapphund in der F2-Generation entstandene Rüde ist ja zum Glück bereits im VSVR zuchttauglich geschrieben!
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- Top-Zucht 1999, Top 5 von allen Spitzzuchtstätten, bei den Kleinspitzen sogar Rang 1, Top-Zucht 2000: Platz 3 der Kleinspitze, Top-Zucht 2001: Platz 8 von allen Zuchtstätten, Platz 1 der Kleinspitze . . . – Quelle ↩︎
- Sie bezog sich dabei auf die, auch im Landpinscherprojekt erwähnte, sog. „Wetzstein-Sudie“, die damals noch brandneu war: 2009 Wetzstein, Katharina; Österreichischer Pinscher – Krankheitsprofil und Einfluss des Inzuchtkoeffizienten auf die Wurfgröße ↩︎

