5. Spitze im 20. Jahrhundert I

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5.1. Ein Spitz – Drei Deutsche – Ein Verein!

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Geschichte der Spitze

5.1. Ein Spitz – Drei Deutsche – Ein Verein!

Nachdem der Spitz ursprünglich auf Bauernhöfen, vorwiegend für den eigenen Bedarf, gezüchtet wurde und ein erster Aufruf zur Gründung eines Spitzvereins durch Oskar Wirt in der Zeitschrift „Hundesport und Jagd“ kein entsprechendes Echo fand, erschien schließlich am 13. April 1899 in den beiden Zeitschriften „Zwinger und Feld“ und „Hundesport und Jagd“ ein weiterer Aufruf von Charles Kammerer (Zitat):

Ein Aufruf an alle Spitzerfreunde:

Ich bin gewiss einer Derjenigen, die allen Neuerungen, jedem Fortschritte, jedweder „latest style fashion“ zugänglich sind. Als Industrieller ist man heutzutage gezwungen, mit den neuesten maschinellen Einrichtungen zu arbeiten, genöthigt sich den modernsten sozialen Strömungen der Arbeiter anzupassen; als Weltmann ist es selbstverständlich, dass man sich seine Kleider und Kravatten aus London kommen lässt; natürlich muss man ausserdem noch im Bureau ein Telephon, vor dem Hause einen Automobilwagen und zuhause einen Photographen haben, um (halbwegs wenigstens) als fin de siécle  anerkannt zu werden. Soweit spiele ich noch mit, ja ich gehe noch weiter, ich erkenne gerne an, dass Sport-Enthusiasmus einen oft bis zum Extremen führen kann, und hierbei will ich speciell den heutigen Standpunkt der Kynologie in’s Auge fassen.

Der richtige Kynologe interessiert sich für jede Rasse, gerade so wie sich der Amateur-Athlet für jede Leibesübung interessiert; ebenso wie aber der Athlet sich speciell der Leibesübungen am meisten widmen wird (sei es das Laufen, Ringen, Fechten, Reiten ets.) zu der er sich am Besten befähigt fühlt, so sucht sich auch der Kynologe jene Rasse als Speziallieblings-Rasse aus, deren Dienste er am meisten braucht, oder welche ihm dem Aussehen und Charakter nach am Besten zusagt. Der Waidmann wird je nach der Jagd, der er obliegt, sich eine der Jagdhunderassen wählen, der Hausbesitzer wird sich sein Haus und Hof von einem großen, edlen Wachhunde beschützen lassen, vorausgesetzt, dass nicht gar zu viele Hypotheken darauf lasten, die Salondame wird sich ihre Spitzenschlafröcke durch ein Schoßhündchen zerreissen lassen und last not least, wozu wären die Möpse auf der Welt, wenn selbe nicht den alten Jungfern besonders ans Herz gewachsen wären.

Während nun die Kynologen den Hunde-Sport im Allgemeinen fördern, so müssen die Spezial-Clubs, das sind die Vereinigungen von Liebhabern der einzelnen Rassen, wieder sich jeder mit vollem Interesse der Reinzucht, der steten Vervollkommnung und Veredlung einer einzelnen Rasse widmen. Jede Rasse hat ihre speziellen Vorzüge und ihren speciellen Charakter, jede wird ihrem Züchter Freude und Genugtuung bereiten.

Es ist leicht begreiflich, dass manche Rassen mehr, manche weniger Anhänger finden, aber es ist andererseits bedauerlich, dass viele züchtenswerte Rassen gar zu sehr vernachlässigt werden. Die Überproduktion von manchen Rassen, zum Beispiel etwa von Teckeln und die Sucht, dennoch für alle Preise zu ermöglichen, wird es noch dahin bringen, dass manche separate Klassen für solche, die 6 Kilo 80 deka*), solche, die 6 Kilo 90 deka, solche, die 7 Kilo und so fort wiegen, wird einrichten müssen, kurz für je 10 deka Mehrgewicht eigene Klasse aufstellen muss, um alle Preisbewerber zufriedenstellend unterzubringen. Bei einer Überproduction von Barsois könnte man dann eventuell um mehr Klassen zu erzielen, selbe in Barsois, die 36 Centimeter, die 42 Centimeter und die 48 Centimeter Taillenweite messen, einteilen. Ich gönne jeder Rasse ihre Erfolge von ganzem Herzen, aber sobald einmal eine Rasse so zahlreich gezüchtet wird, dass man auf künstlichem Wege neue Klassen schaffen muss, um mehr Preise verteilen zu können, so ist dies ein Zeichen, dass für diese Rasse und deren Zucht reichlich gesorgt ist. Unwillkürlich kommt dann demjenigen Kynologen, der kein fanatischer Spezialist ist, die Idee, warum diese oder jene andere Rasse vernachlässigt wird, und so komme ich nun denn auf das Stiefkind zu sprechen, von dem ich heute ein Wort reden will – auf die Rasse der Spitze.

Man sagte mir einst: der Spitz ist kein „sporting dog“, man kann ihn nicht so lang wie den Teckel, nicht so dünn wie den Barsoi züchten, nicht so groß wie den Bernhardiner, nicht so eckig wie den Bulldog züchten – darauf erwidere dem Redner pünktlichst: „Ja und man kann die Spitze auch trotz aller Mühe nicht auf jenes geistig beschränkte Niveau herabzüchten, auf welchem Sie stehen!“ Die Rasse der Spitze ist eine der vielseitigst schätzenswerten. Der große Wolfsspitz, der bis zu 55 cm hoch, bis zu 60 Pfund schwer wird, ist bereits ein sehr tüchtiger, starker Wachhund, die mittelgroßen weißen und schwarzen Spitze sind einerseits sehr hübsche, andererseits bequem in Stadt und Familie zu haltende Tiere und endlich die kleinen Zwergspitze sind Schooshunde „par excellence“, reizend anzusehen, lebhaft, possierlich und doch gar nicht so zimperlich wie so viele der übrigen Schooshunde.

Während obengenannnte drei Spitzersorten sich je nach Grösse sowohl als Wach- und Hof- als auch Luxus- und Schoßhunde bestens eignen, so sind nun die folgenden Eigenschaften sämmtlichen Spitzer-Varietäten in hohem Maße eigen.

Tadellose Treue und Anhänglichkeit, große Wachsamkeit, bis an Frechheit grenzenden Schneid, hohe Intelligenz und eine außerordentlich hübsche stramme, auch für das Auge des Laien wohlgefällige Gesammterscheinung.

Wie ungerecht ist es doch, dass dem Spitze in Deutschland verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit, so wenig sportliches Interesse gewidmet wird. Ich sagte ausdrücklich, dass man in Deutschland dem Spitze zu wenig Interesse widmet, denn anderwärts weiss man ihn besser zu würdigen.

Auf den jährlichen Ausstellungen im Madison-Square-Garden in New York, in der Agricultural-Hall Philadelphia und in Chicago, wo ich meine allerersten Schwimmlektionen durch die Wogen der Kynologie genoss, da waren Spitze gern gesehene, beliebte Ausstellungsteilnehmer, nicht zahlreich, aber meist recht gut vertreten. Der I. Preis offene Klasse betrug stets 16 Dollars = 60 Mark, der II. Preis 10 Dollars = 40 Mark, der III. Preis 5 Dollars = 20 Mark. Ehrenpreise kamen dann noch separat dazu. Im Amerika bekommt man heutzutage um 50 Dollars = 200 Mark bereits einen erstklassigen Spitz zu kaufen.

England verhält sich noch viel Spitzfreundlicher als Amerika; nehmen wir nur zum Beispiele die letzte große Hundeausstellung an, 43. Exhibition of Sporting Dogs of the Kennel-Club Cristall-Palace London S. E. , 18. X. 1898. Da waren nicht weniger als 44 sage vierundvierzig Spitze anwesend mit 71 Nennungen. Die Preise waren folgende: I. Preis 3 Pfd. St. = 60 Mark, II. Preis 2 Pfd. St. = 40 Mark, III. Preis 1 Pfd. St. = 20 Mark und solcher Geldpreisklassen waren nicht weniger als 13 für die Spitze eingerichtet, außerdem waren 23 wertvolle Ehrenpreise für Spitze vorhanden! Der Pommeranian-Club (Spitzer-Klub) in London ist ein mächtiger Verein, in welchem die allerblaublütigsten Mitglieder des englischen Adels nicht fehlen, die englischen kynologischen Zeitschriften, wie „The Stock Keeper“ oder „Our Dogs“ bringen in jeder Nummer eine größere Spalte „about Poms“ – Spitze betreffend.

Wenn nun Amerika sich des Spitzes ebenso wohlwollend annimmt wie seiner sonstigen Einwanderer, wenn die Heimstätte des Sports auf allen Gebieten, nämlich England, den Pommeranian, den reinen deutschen Spitz zu seinen Lieblingsrassen eingereiht hat, dann wäre denn doch damit bewiesen, dass der Spitz sehr wohl zu den Sporting dogs zählt, dass er züchtenswerth ist, dass ihm auch in seiner Heimat mehr Anerkennung gebührt, als dies in letzter Zeit in Deutschland der Fall war.

Wollen wir uns des Spitzes annehmen, wollen wir ihm in seiner Heimat zu der Stellung verhelfen, die er sich in fremden Ländern selbst erobert hat! Geben wir den Spitzen den wohlverdienten Sitz im Hundeparlamente, gründen wir einen Spitzer-Klub, der sich gänzlich den Interessen sämmtlicher Spitzer-Varietäten widmet.

Ich bin überzeugt, „Hundesport und Jagd“, München, wird uns gerne seine Spalten zur Verfügung stellen und ist vor allen geeignet, unser offizielles Organ zu werden!

Für heute habe ich nur im Allgemeinen zum Zusammentritte, zur Gründung eines Spitzer-Klubs eingeladen, demnächst werde ich mir erlauben, durch dasselbe Organ die einzelnen Varietäten, deren Einteilung und deren offizielle Rassekennzeichen zu besprechen, so dass auf Grundlage derselben dann auf der in Köln 28. – 30. April stattfindenden Hundeausstellung bereits zur Abhaltung der ersten Generalversammlung und Gründung des Spitzer-Klubs geschritten werden kann.

In der angenehmen Erwartung, dass bis dahin sich eine recht große Anzahl Spitzerfreunde melden möge, begrüßt diese aufrichtigst

Charles Kammmerer, Wien X, Erlachgasse 149

Folgende Herren, deren Namen als Spitzer-Züchter und Liebhaber sich des besten Rufes und Ruhmes erfreuen, haben bereits ihre Mitwirkung freundlichst zugesagt:

Herr Fritz Reimann, Elberfeld;
Herr Emil Lange, Bingen;
Herr Albert Kull, Stuttgart;
Herr G. Thaler, Stuttgart;
Herr Carl Zisser, Wien.

*) 1 deka entspricht 10 g

Während sich die vereinsmäßige Rassehundezucht bis dato schwerpunktmäßig um die in Deutschland höher angesehenen Jagdhunde gekümmert und diese auch ausgestellt hatte, während andere Hunde, wie der Spitz oder auch verschiedenste Schoßhunde in erster Linie von Zuchtanstalten wie die in Bad Köstritz (Thüringen) angesiedelte Rassehunde-Zuchtanstalt von Seyfarth gezüchtet wurden, gelangte Dank solch glühender Fürsprache auch der Allerweltshund „Spitz“ in Deutschland zunehmend zu höherem Ansehen.und wurde interessant für die Vereinszucht.

Auszüge aus einem der Kataloge (1902) der Rassehunde-Zuchtanstalt und -Handlung Arthur Seyfarth in Bad Köstritz (Thüringen):

So entstanden zum Ende des 19./Beginn des 20. Jahrhunderts etliche Spitzzuchtvereine. In manchen wurden ausschließlich kleine Spitze gezüchtet, in anderen mehrere unterschiedliche Größenschläge.

Nur kleine Spitze züchteten

  • Erster Mannheimer Zwergspitz- und Schoßhund-Klub
  • Erster Württ. Schoßhund-Klub Stuttgart e.V.
  • Schoßhundklub Berlin und
  • Schoßhundklub Ludwigshafen a. Rh.,

Spitze verschiedener Größenschläge wurden gezüchtet von

  • Deutscher Spitzer-Klub
  • Vereinigung für Züchter und Liebhaber Deutscher Spitze und
  • Verein für Deutsche Spitze

Hundezucht und Ausstellungswesen allgemein nahmen Fahrt auf in Deutschland:

Wie aus den Unterlagen hervorgeht, waren in den ersten Jahren natürlich zunächst viele Arbeiten erforderlich, um überhaupt eine erste Vereinsstruktur und die Voraussetzungen für ein funktionierendes Ausstellungswesen aufzubauen.

1. Generalversammlung, 1900, 30. Sept., Frankfurt/Main (Gründungsversammlung)

1. Vors. Fritz Reimann, Elberfeld

2. Vors. Charles Kammerer, Wien
Die erste Satzung und die Rassekennzeichen werden verabschiedet.

Dabei orientiert man sich zunächst an Rassekennzeichen, die anlässlich der Internationalen Rassehundeausstellung am 22. Mai 1880 in Berlin durch Vertreter und Experten der dort zusammengetretenen Deutschen Commission festgelegt und in der „Illustrierte Sport-Zeitung“ vom 19.08.1880 veröffentlicht worden waren (Zitat):

A. Große Spitze,
1) Der gewöhnliche graue Spitz oder Pommer (auch Fuhrmannsspitz oder Wolfsspitz).
2) der weiße Spitz.
3) Der schwarze Spitz.

B. Kleine oder Zwergspitze.
4) Der eigentliche Zwergspitz (Zwergform der großen Spitze).
5) Der Seidenspitz (Kreuzung von Zwergspitz und Malteser).

A. Große Spitze.

Die unterscheidenden Charaktere beschränken sich vorzugsweise auf die Färbung, doch ist der gewöhnliche graue Spitz oder Pommer meist etwas größer und robuster gebaut, auch reichlicher und derber behaart, als die weißen und schwarzen Spitze. Die nachstehenden Rassekennzeichen sind daher mit Ausnahme der Färbung für alle drei Formen der großen Spitze gültig.

1. Allgemeine Erscheinung: Größe etwa 2/3 bis 3/4 der eines mittleren Hühnerhundes entsprechend. Kurz gedrungene Figur von kecker Haltung mit fuchsähnlichem Kopfe, spitzen Ohren und seitwärts auf dem Rücken gerollter buschiger Ruthe. Behaarung reichlich und locker, am Hals eine starke Krause bildend, Kopf, Ohren, Füße kurz und dicht behaart. Unruhiges, argwöhnisches Naturell, beim geringsten Verdacht sofort bellend und kläffend, daher vorzugsweise als Wachthunde gehalten und gezüchtet.

2. Kopf: Mittelgroß, von oben gesehen erscheint derselbe nach hinten am breitesten und verschmälert sich keilförmig bis zur Nasenspitze. Im Profil zeigt sich der Oberkopf hoch gewölbt, vor den Augen plötzlich abfallend, Schnauze spitz, Nasenrücken schmal, gerade, Nase rund, klein, Lippen nicht überfallend und keine Falte am Mundwinkel bildend. Ohr kurz, dreieckig zugespitzt, hoch angesetzt und immer aufrecht mit steifer Spitze getragen. Auge mittelgroß, länglich geformt und etwas schräg gestellt.

3. Hals und Rumpf: In Folge der reichlichen Behaarung ist es bei dieser Rasse unmöglich, die einzelnen Formen genauer zu beurteilen. Bei geschorenen Exemplaren finden wir, dass der Spitz meist in guten Verhältnissen gebaut ist. Hals mittellang, Rücken völlig gerade, Brust vorn tief, seitlich gewölbt und der Bauch nach hinten mäßig aufgezogen.

4. Ruthe: Mittellang, hoch angesetzt, platt auf den Rücken gebogen und dann seitlich geringelt.

5. Läufe: Mittellang, im Verhältnis zum Rumpf stämmig und völlig gerade, die hinteren im Sprunggelenk nur wenig gebogen.

6. Füße: Klein, rundlich, zugespitzt, mit gewölbten Zehen.

7. Haar: Am ganzen Kopf, Ohren, an den Füßen, wie an der Außen- und Innenseite der Vorder- und Hinterbeine kurz, weich und dicht, am ganzen übrigen Körper reich und lang behaart. Das Eigentümliche des Spitzenhaares besteht darin, dass es namentlich am Hals und Schultern ringsum locker und gerade vom Körper absteht, ohne gewellt oder zottig zu erscheinen oder sich auf dem Rücken zu scheiteln. Die größte Länge erreicht das Haar unter dem Halse, die Hinterseite der Vorderläufe trägt eine stark ausgebildete, nach unten allmählich verlaufende Feder vom Ellenbogen bis zum Fußgelenk hinunter, an den Hinterläufen reicht die Feder nur bis zum Sprunggelenk hinab, so dass der Hinterfuß von da bis zur Sohle kürzer behaart erscheint.

8. Farbe:
1) grauer gewöhnlicher Spitz: einfarbig, wolfsgrau, d. h. gelbgrau oder aschgrau, mit schwärzlichem Anflug der einzelnen Haarspitzen; an der Schnauze und der Umgebung der Augen, an den Läufen, dem Bauch und der Ruthe heller graugelb und weißlich gefärbt und zwar in ähnlicher Ausdehnung, wie die bekannten Abzeichen unserer Dachshunde, jedoch weit unbestimmter und farbloser.
2) Der weiße Spitz soll rein kreideweiß erscheinen, ohne jeden gelblichen Anflug, welcher namentlich an den Ohren häufig auftritt.
3) Die Behaarung des schwarzen Spitzes muss auch im Grunde dunkel gefärbt sein, und auf der Oberfläche als glänzendes Blauschwarz ohne alle weißen oder farbigen Abzeichen erscheinen. Bei allen 3 Spitzenformen müssen Nase und Nägel schwarz, die Augen dunkelbraun gefärbt erscheinen.

B. Kleine oder Zwergspitze.

4) Der eigentliche Zwergspitz zeigt genau dieselbe Behaarung wie die großen Spitze und unterscheidet sich von diesen nur durch die geringere Größe und dem entsprechende feinere Bauart. Die Ohren müssen sehr klein und äußserst fein behaart sein (Mausöhrchen), auch die Füßchen auffällig fein behaart. Farbe weiß, schwarz und silbergrau ohne Abzeichen. Gewicht nicht über 3 1/2 Kilo. Augen und Nase immer schwarz. Nägel dunkel.

5) Der Seidenspitz ist wahrscheinlich durch Kreuzung des Zwergspitzes mit dem Malteser entstanden und unterscheidet sich von ersterem nur durch die prächtige, fein seidenartige Behaarung. Das Haar muß jedoch, wie bei allen anderen Spitzen, möglichst grade und locker abstehen, nicht wellenförmig, gelockt, gerollt oder zottig erscheinen. Farbe weiß mit schwarzer Nase und Augen. Alle anderen Points wie auch das Gewicht ganz wie beim Zwergspitz.

Fehler:
Als Fehler sind bei den Spitzen zu betrachten: Zu stumpfe Schnauze und flacher Oberkopf, zu lange oder nicht völlig steif gestellte, oder gar nach vorn oder seitlich überschlagende Ohren, eine nicht dicht am Körper liegende, sondern hoch getragene oder hängende Ruthe, wellenförmige auf dem Rücken gescheitelte Behaarung. Beim grauen Spitz ist eine auffällige schwarze Gesichtsmaske und schwarze Flecken auf den Vorderfüßen (Daumenmarke), wie überhaupt alle schwarzen und weißen Abzeichen fehlerhaft; ebenso soll der weiße wie der schwarze Spitz durchaus einfarbig weiß oder schwarz und frei von allen Abzeichen und Flecken sein. Fleischfarbige Nasen und helle Augen immer fehlerhaft.

2. Generalversammlung, 1901, Elberfeld
Nachdem der Verein zunächst in Ingolstadt ins Vereinsregister eingetragen wurde, wird nun Elberfeld zum Sitz des Vereins bestimmt.

3. Generalversammlung, 1902, 14. Sept., München

1. Vors. Dr. R. v. Uhden, Neudamm
Es werden 6 Zuchtrichter vorgeschlagen

Wie sollten die Hunde damals aussehen und wie sahen sahen sie aus?

Abbildungen aus:

1902 Ströse, A.:Unsere Hunde, Ein Lehr- und Handbuch für Züchter, Preisrichter, Dresseure und Hundefreunde, Zweiter Band – Zucht und Pflege des Hundes1

1902 Ströse, A., Unsere Hunde, Ein Lehr- und Handbuch für Züchter, Preisrichter, Dresseure und Hundefreunde, Erster Band – Form und Leben des Hundes2

4. Generalversammlung, 1903, 6. Juli., Frankfurt/M.
Es wird beschlossen eine Broschüre „Der Deutsche Spitz” herauszugeben.

5. Generalversammlung, 1904, 15. Mai, Köln
Eine Richterliste für die Ausstellungen mit 8 Namen wird erstellt.

6. Generalversammlung, 1905, 04. Mai, Hannover
Der Entwurf der Broschüre “Der Deutsche Spitz” wird genehmigt, in der erste Rassekennzeichen veröffentlicht werden mit Angabe der Quellen, auf die man sich bei der Erstellung bezieht, denn es liegen verschiedenste Rassebeschreibungen vor, wie beispielsweise die vom niederländischen Jagdverein „Nimrod“ 1876 im Buch „Beschrijving van Honden Keurboek“ veröffentlichte oder auch die oben dargelegten Ausführungen von Ströse. In der Broschüre werden als Bezugsquellen angegeben:

  • 1901 Studer, Theophil, Die praehistorischen Hunde in ihrer Beziehung zu den gegenwärtig lebenden Rassen4
  • 1895 Beckmann, Ludwig, Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes5
  • 1901 Stephanitz, Max von, Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild6
  • 1904/1905 Strebel, Richard: Die Deutschen Hunde und ihre Abstammung7

Während in der oben zitierten Veröffentlichung der Rassekennzeichnungen in Illustrierte Sport-Zeitung vom 19.08.1880 als Größe angegeben ist: „Größe etwa 2/3 bis 3/4 der eines mittleren Hühnerhundes“ wird in der 1905 herausgegebenen Broschüre die Größe für Wolfsspitze mit mind. 45 cm angegeben, bis max. 54 cm. Dabei wird explizit darauf hingewiesen, dass bei noch größeren Hunden der Rücken zu lang werden und dabei das bekannte Temperament der Spitze verloren gehen könne. Für große schwarze, weiße und gescheckte Spitze soll als Normalgröße 40 cm gelten – sie kann aber auch nur 30 cm betragen.

Die Farbe der Wolfsspitze wurde 1880 noch mit „gelbgrau oder aschgrau“ angegeben – in der 1905 herausgegebenen Broschüre wird nun „ein prachtvolles Silbergrau“ erwartet und gelbliche Anflüge werden ausgeschlossen.8

Beckmann, auf den man sich ja bezieht, macht nun Größenangaben zu den Verhältnismäßigkeiten und bezieht sich dabei auf die (Zitat)

„Raſſezeichen des deutſchen Spitzes,
aufgeſtellt 1832, erneuert 1890.

[…]

Die Maße eines ſehr regelmäßig gebauten ſchwarzen Spitzes (Taf. LXVII,
Mohrle, Ehrenpreis und I. Preis in Hannover 1882. Züchter: Friedr. Siegel, Stuttgart; Beſitzer: Sigmund Meyer, Hannover) ſind:
Schulterhöhe: 45cm; Kopf 19cm; Schnauze 7cm; Ohr 7½cm; Ellenbogen vom Boden 25 cm; ganze Rumpflänge (ohne Haar) 60 cm.
Ein kleinerer ſchwarzer Spitz, Sohn des vorigen, Züchter: Friedr. Siegel,
zeigte im Alter von 1 ¼ Jahr folgende Maße: Schulterhöhe 42cm; Kopf 17cm; Schnauze 7 cm; Ohr 7 cm; Ellenbogen 22 cm; ganze Rumpflänge (ohne Haar) 50 cm.“ (Zitatende, ebenda S. 126)

Dazu verweist er auf die Abbildung

Der Hund Mohrle, den er beschreibt, ist der u. a. bei van Bylandt abgebildete und von Strebel gezeichnete.

Zum Vergleich das Foto eines weißen Großspitzes aus der Zeit der Veröffentlichung der Broschüre:

Was auffällt, ist, dass die später übliche Bezeichnung „quadratisch“ fehlt, der Mohrle, entsprechend der Maße, nun wirklich nicht entspricht. Stattdessen verwendet Strebel den Begriff „sehr regelmäßig gebaut“.

Nachdem sich bereits während der letzten Jahrzehnte des 19. Jh. auch in Deutschland mehrere Zuchtvereine für einzelne Hunderassen gebildet und zu einer Delegierten Commission (DC) zusammengeschlossen hatten, die ein gemeinsames und zentrales Deutsches Hundestammbuch (DHStB) führten, fühlten sich die Vereine auf den von ihnen organisierten Hundeausstellungen zunehmend durch geschäftstüchtige Hundezüchter bedrängt (also Leute, wie z. B. Arthur Seyfarth, von denen wohl etliche unterwegs waren – unterschiedlichster Coleur), die manche Ausstellungen offenbar regelrecht „fluteten“ und Pokale, Medaillen und Auszeichnungen aller Art für sich in Anspruch nahmen. Um dem entgegenzuwirken, riefen die Vereine zu einem Treffen am 16. Juli 1906 Vertreter acht zuchtbuchführender Vereine in Frankfurt/M. zusammen, bei dem sie das „Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs für Jagd- und Nutzhunde“ gründeten.

7. Generalversammlung, 1906, 16. Juli, Frankfurt/M.

Bereits in der 7. Generalversammlung wurde der Antrag gestellt, bei den großen Spitzen die gescheckten Spitze von der Zucht auszuschließen und diese Farbe nur für die Zwerge zuzulassen. Dies wurde jedoch abgelehnt und der Beschluss gefasst, dass, im Wesentlichen dem Antrag von Dr. Wolfsholz folgend (der allerdings die gescheckten Spitze von diesem Antrag ausgenommen hatte), für alle Größen die Farben

  • braun,
  • blau,
  • fuchsrot und
  • gescheckt

als Standardfarben anerkannt werden, womit man sich von dem Farb-Trio schwarz-weiß-grau gelöst hatte.

Natürlich ist, wie man so sagt „Rom auch nicht an einem Tag erbaut worden“ und das bedeutet für Zucht die Bereitschaft dazuzulernen und sich flexibel auf neue Bedingungen und neues – erweitertes – Wissen einzustellen! Andersfarbige Spitze waren immer schon etwas seltener und wurden möglicherweise auch darum bislang noch nicht angemessen berücksichtigt,

Der Seidenspitz, der bei der Festlegung der ersten Rassekennzeichen durch die Deutsche Commission noch aufgeführt und beschrieben wurde, ebenso aber auch von Beckmann, auf den man sich bei der Erstellung der Broschüre ja bezogen hat, wurde in dieser GV nun plötzlich als Bastard bezeichnet.und abgelehnt (Zuchtbuch Bd. 13 des Spitzvereins)! Etwas irritierend, weil die Tatsache, dass er ein Kreuzungsprodukt aus kleinem Spitz und Malteser war, ja bereits zum Zeitpunkt der Vereinsgründung nicht nur bestens bekannt war, sondern sogar explizit erwähnt wurde.

?????

Wer war der Seidenspitz?

Bereits „Fitzinger“ hatte den Seidenspitz erwähnt und auch bei Ströse finden wir ihn noch abgebildet und bei etlichen anderen beschrieben – inkl. eben der ersten Rassebeschreibung der Deutschen Commission. Er war entstanden aus einer Kreuzung des kleinen Spitzes mit dem Malteser und wurde, wie man sieht, durchaus recht erfolgreich ausgestellt – der Rüde „Bubi“ erhielt sogar einen Ehrenpreis. Man kann sicherlich vortrefflich über Geschmack streiten, aber er hatte ganz offensichtlich durchaus seine Fans sowohl unter Züchtern, als auch unter Liebhabern. Das Fell des Seidenspitzes stand allerdings weniger, sondern hing mehr oder weniger, denn um stehen zu können, benötigt das Fell eine gewisse Festigkeit, die bei zu weich gezüchtetem Fell natürlich verloren geht. In verschiedenen Büchern wird dies auch thematisiert und festgestellt, dass darauf geachtet wurde, dass es schön stehen solle und darum auch keinesfalls zu (!!!) lang sein dürfe.

8. Generalversammlung, 1907, 25. Mai, Hannover
Die Eintragung ins Vereinsregister wird beschlossen.

Die Normalgröße für Wolfsspitze (45 cm) und Großspitze (40 cm) wird als Zuchtziel festgelegt und beschlossen. Es soll auf Größe gezüchtet werden, um einen einheitlichen Typus zu schaffen.

Nach einer ausführlichen Debatte über die bei den Wolfsspitzen zwei verschiedenen Kopfformen: 1. starker Stirnabsatz (Stopp), stark gewölbte Stirn und Backen und 2. der Wolfstypus, entschied man sich dafür, in Zukunft die einheitliche Kopfform des Wolfstypus standardmäßig zu züchten.

Um den Unterschied, und damit sicherlich auch einen „Knackpunkt“ der heutigen Wolfsspitz-/Keeshondzucht zu verdeutlichen, hier mal eine Gegenüberstellung der Profile:

Der Wolfstypus

Starker Stirnabsatz (Stopp), stark gewölbte Stirn und Backen

Zwar stammen die Fotos beide aus sehr viel späteren und auch unterschiedlichen Zeiten, aber sie zeigen, dass die Zucht des Keeshonds, unabhängig von anderen Aspekten, beim Profil des Kopfes ganz erhebliche Abweichungen vom ursprünglich beschlossenen Standard zum Kindchenschema aufweist!

Ich vermute, dass dem Auseinanderdriften zwischen Wolfsspitz und Keeshond möglicherweise mangelnder Austausch zwischen deutschen und ausländischen Züchtern während der Nazi-Zeit zugrundeliegen könnte, denn das Foto des Keeshonds ist aus der Nachkriegszeit und frühere Fotos ausländischer Wolfsspitze zeigen ein noch wesentlich stärker dem deutschen Standard entsprechendes Bild. Zwar hier auch schon von 1936, aber doch deutlich früher und zeitlich fast identisch mit dem des Deutschen Wolfsspitzes.

Dieser im Stopp flachere Kopftypus wird heute oft fälschlicherweise als Schäferhunde-Kopf bezeichnet.

Fälschlicherweise, weil dabei ausschließlich der flachere Stopp gesehen wird. Denn dieser recht alte Kopftypus des Spitzes unterscheidet sich vom eigentlichen Schäferhundekopf deutlich in der Grundform. Während der Kopf des Spitzes nicht nur in der Frontalansicht, sondern auch im Profil eher dreieckig ist und zur Schnauze hin spitz zulaufend (was ihm den spitztypisch kecken Gesichtsausdruck verleiht), ist die Schnauzen-Partie beim Schäferhund bis zum vorderen Bereich hin höher aufgebaut und hat ein abgerundetes, stumpferes Profil. Siehe nebenstehende Gegenüberstellung.

9. Generalversammlung, 1908, 14. Nov., Berlin
An dieser GV nehmen 25 Mitglieder teil und beschließen die Bildung von Ortsgruppen und Herausgabe von monatlichen Mitteilungen.
Dr. R. v. Uhden wird zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
1. Vors. Förster, Frankfurt,
2. Vors. Charles Kammerer

10. Generalversammlung, 1909, 18. April, Mannheim
Der Name des Vereins „Verein für Deutsche Spitze“ und Sitz des Vereins in Frankfurt/Main werden offiziell und der Eintritt in das Kartell (Vorläufer des VDH) wird beantragt.

Der Verein für Deutsche Spitze vereinigte sich mit dem Deutschen Spitzer-Klub und schloss sich (entsprechend des Beschlusses der 10. Generalversammlung vom 18.04.1909 in Mannheim) 1910 dem „Kartell“ (Vorläuferorganisation des VDH) an, wo die Spitze bereits zur Gründung als Rasse anerkannt und in den 3 Varietäten

  • Wolfsspitz
  • Großer Spitz
  • Kleinspitz

gezüchtet wurden. Deutlich erfolgt hier bereits die Abgrenzung der kleinen Spitze als Schoßhunde, während die großen Varietäten des Spitzes (30 – 45 cm) auch im VDH noch bis zur Mitte des 20. Jh. als Gebrauchshunde geführt wurden.

Der Antrag, auch finnische und chinesische Spitze (Chow) zu betreuen, wurde abgelehnt.

Außerordentliche Generalversammlung, 1909, 5. Dez., Leipzig

1. Vors. R. Teuschbein, Tierarzt in Delitzsch

11. Generalversammlung, 1910, 24. April, Dresden
Der Verein wird in das Kartell, die Vorläuferorganisation des VDH, aufgenommen.
Die beschlossene Vereinigung mit dem Spitzerklub Frankfurt/Main erfolgt aufgrund längerer Verhandlungen erst mit Verzögerung am 23.Dez. 1910.

Frau Wihsmann aus Markotsch stellt den Antrag, dass die weißen Spitze, die von aus Sibirien importierten Eltern abstammen, als sibirische Spitze anerkannt werden sollen und fordert entsprechende Klasseneinteilungen für die Ausstellungen. Dieser Antrag wird einstimmig abgelehnt.

12. Generalversammlung, 1911, 19. März, Frankfurt/M.
Der bisherige Vorstand wird bestätigt und ein Vertreter für das Kartell bestimmt.

13. Generalversammlung, 1912, 19. Mai, Frankfurt/Main

14. Generalversammlung, 1913, 16. März, Frankfurt/Main

15. Generalversammlung, 1914, 12. April, Mannheim
Inzwischen hat der Verein insgesamt 178 Mitglieder, von denen 22 an der Generalversammlung teilnehmen.

Man verwehrt sich ausdrücklich gegen die im Kartell vertretene Ansicht, dass der Zwerghundclub Berlin ein Mitbestimmungsrecht bei der Anerkennung der Preisrichter für die Zwergspitze habe, sondern beansprucht dieses Recht ausschließlich für den VfDSp.


Während des nachfolgenden 1.Weltkrieges sinkt die Mitgliederzahl auf 32.

Auf der anderen Seite des Globus‘

16. Generalversammlung, 1919, 27. Sept., Stuttgart-Gaisburg
Die infolge des Krieges stark gesunkene Mitgliederzahl des Vereins wächst wieder an auf 128 Mitglieder.
1. Vors. Christian Schaile, Calw bei Stuttgart
2. Vors. Charles Kammerer, Wien

Es wird beschlossen, den Verein ins Vereinsregister eintragen zu lassen.

Erstmalig liegen verlässliche Zuchtzahlen vor:
In der Zeit zwischen dem 1. Juli 1913 und April 1914 wurden 153 Spitze in das neue Zuchtbuch eingetragen.
Der zweite Band des Zuchtbuches soll bis zum 31. Dez. 1919 abgeschlossen werden,

Da insbesondere die Zucht der großen Spitze während des Krieges sehr gelitten habe, wird darum gebeten, sich gerade um deren Zucht besonders zu bemühen.

17. Generalversammlung, 1920, 18. Sept. Leipzig
232 Mitglieder hat der Verein insgesamt.

Die Herausgabe der 2. Auflage der Broschüre „Der Deutsche Spitz“, die Hr. Wolfsholz zusammen mit den Herren Seydel, Wieprecht, Dr. v. Uhden und Dr. Manger erarbeitet hatte, wird beschlossen.
Vereinssitz wird nun Ingolstadt/Donau.
Außerdem wird die Ausbildung von Blindenhunden als Vereinszweck in die Satzung aufgenommen und der Beschluss gefasst, dass die Generalversammlung nur noch alle zwei Jahre stattfinden soll.
Das Kartell beschließt am 10. Dez.1920, dass die Zwergspitze nicht mehr beim Schoßhundeklub Berlin, sondern beim Verein für Deutsche Spitze ins Zuchtbuch eingetragen werden.

18. Generalversammlung, 1922, 25. Mai, Düsseldorf

1. Vors. Max Adrian, Barmen
2. Vors. O. Winkeler, Elberfeld

Ebenso, wie die Gesamtbevölkerung, hat auch der Verein mit den Folgen des Krieges und der eingetretenen Weltwirtschaftskrise und Inflation schwer zu kämpfen. Phasenweise ist die Verbandskasse leer und auf Darlehen von Mitgliedern angewiesen. Viele Mitglieder gehen dem Verein auch verloren, weil sie sich die Mitgliedsbeiträge nicht mehr leisten können.

Ein erneuter Antrag auf Anerkennung der Mittelspitze wird mit Hinweis auf die finanzielle Situation des Vereins und die durch eine Anerkennung notwendig werdende Zusatzbelastung durch weitere Preisdotierungen auf Ausstellungen abgelehnt.

1922 erschütterte einer der berühmtesten Fälle deutscher Kriminalgeschichte die Bevölkerung, in die auch ein Spitz eingegangen ist:
Der Sechsfachmord in Hinterkaifeck.

In der Nacht vom 31. März zum 1. April 1922 wurden auf einem Einödhof im bayrischen Hinterkaifeck 6 Menschen erschlagen. Diese Morde gaben noch bis in jüngste Zeit Rätsel auf – umfangreiche Informationen dazu (von historischen Akten über Tatortfotos, Obduktionsberichten, Zeugenaussagen, Zeitungsartikeln, bis zu Berichten von polizeilichen Projektgruppen u. v. A. m. ) sind auf der oben verlinkten Seite verfügbar (Alternativ).

Auf dem Hof befand sich ein Spitz, der am nächsten Tag völlig verstört und mit Kopfverletzungen aufgefunden wurde. Dieser Hund war bekanntermaßen äußerst wachsam und ließ sich, von einer (!) Ausnahme abgesehen, auch von Fremden nicht anfassen. Leider wurde er aber, was ebenfalls bekannt wurde, über Nacht immer im Stall eingesperrt.

Fazit:

Ein eingesperrter Wachhund ist nutzlos! Weder kann er seinen Besitzer vor Gefahren wirksam warnen, noch schützen!
Das gilt natürlich auch für Hunde, die irgendwo „in der Pampa“ auf der Jagd sind. Und Hunde, die ängstlich sind, sich von jedem anfassen oder mit „Leckerli“ bestechen lassen, sind definitiv keine Wachhunde! Aus diesem und keinem anderen Grund muss (!!!) ein ordentlicher Spitz lt. Zucht-Standard – und der ist in dieser Hinsicht weder diskutierbar, noch interpretationsfähig – hoftreu, zurückhaltend gegenüber Fremden und frei von Jagdtrieb sein!!!

Wer versucht, einen Spitz zu stehlen, wird im Normalfall keine Freude an ihm haben. Wenn er nicht gerade einen Herrn hatte, der ihn aufs Übelste misshandelt hat, wird er sich innerhalb kürzester Zeit seinen Weg zurück bahnen, notfalls auch unter Einsatz seiner Zähne. Darum sollte ein Spitzbesitzer seinen Hund frühzeitig daran gewöhnen, mit bestimmten anderen Personen auszugehen oder bei ihnen zu bleiben, sonst könnte er bei einem Krankenhausaufenthalt oder Urlaub ohne Hund eine böse Überraschung erleben.

19. Generalversammlung, 1925, 09.Mai, Stuttgart
An dieser Generalversammlung nehmen 54 Mitglieder teil und man beschließt, dass die Vorsitzenden der Landesgruppen künftig Beisitzer im Hauptvorstand werden.

1. Vors. Dr. Gores

Ab Ende 1920 wurden die Zwergspitze des Schoßhundeklubs Berlin, dem Beschluss des Kartells vom 10.12.1920 folgend, im Zuchtbuch des VfDSp eingetragen.

20. Generalversammlung, 1927, 6. Juni, Köln
Der Vorstand wird einstimmig wiedergewählt.
Ein Antrag auf Anerkennung der Mittelspitze wird abgelehnt.
Der VfDSp wurde vom Kartell gerügt, weil bis dato Spitze, die auf Ausstellungen prämiert wurden, automatisch ins Stammbuch eingetragen wurden und dies den verbindlichen Vorschriften des Kartells widerspreche, in denen festgelegt ist, dass nur Hunde ins Stammbuch eingetragen werden dürfen, deren beide Eltern bereits dort eingetragen sind. Ab 1928 wird diese Vorgabe des Kartells im Spitzverein dann umgesetzt,

21. Generalversammlung, 1929, 15. Sept., Frankfurt/M.

22. Generalversammlung, 1931, 26.Juli, Bochum

1. Vors. Dr. Manger
2. Vors. Dr. Miller, Borken
Heinrich Sassenberg aus Troisdorf, wird Schriftführer
und gehört bis 1964 dem Vorstand an.)

Deutschland befindet sich auf dem Gipfel der Arbeitslosigkeit und der Verein beschließt Sonderkonditionen für Arbeitslose.

Neben der vereinsmäßigen Zucht wurde der Spitz nach wie vor vielfach auf dem Land für den eigenen Bedarf weiter gezüchtet, wobei man sich nicht an irgendwelchen Zuchtstandards orientierte, sondern ausschließlich an der Verwendung von Spitzen als vielseitig einsetzbare Gebrauchshunde.

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5.2. Spitzzucht unterm Hakenkreuz

Bibliografie

Die Angaben mit vorangestellter Jahreszahl beziehen sich auf wissenschaftliche Publikationen, die mit vorangestelltem Namen des Autors/der Autoren/Herausgebers auf Bücher und sind unter dem jeweiligen Link zu finden. (Sofern sie nicht ausschließlich käuflich zu erwerben sind!)

Diese und weitere Literatur finden Sie unter: Deutscher Spitz – Info-Zentrum

  1. Ströse, A., Unsere Hunde, Ein Lehr- und Handbuch für Züchter, Preisrichter, Dresseure und Hundefreunde, Zweiter Band – Zucht und Pflege des Hunde, 1902 ↩︎
  2. Ströse, A., Unsere Hunde, Ein Lehr- und Handbuch für Züchter, Preisrichter, Dresseure und Hundefreunde, Erster Band – Form und Leben des Hundes, 1902 ↩︎
  3. fehlende Angaben Ströses zu diesem Bild wurden ergänzt über die identische Abbildung in: Graaf van Bylandt, H. A., Hondenrassen, Punten, Beschrijving, Eigenschappen, Gebreken, 1904. S. 616 ↩︎
  4. 1901 Studer, Theophil, Die praehistorischen Hunde in ihrer Beziehung zu den gegenwärtig lebenden Rassen ↩︎
  5. Beckmann, Ludwig, Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes, 1895, S. 122ff ↩︎
  6. Stephanitz, Max von, Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild. 1901 ↩︎
  7. Strebel, Richard: Die Deutschen Hunde und ihre Abstammung, 1904/1905, (nicht online verfügbar!), zum Vergleich aber: Strebel, Richard, Die Rassekennzeichen der Hunde, Nach offiziellen Festsetzungen, 2. Auflage. 1894, S. 41 ff ↩︎
  8. Der Deutsche Spitz, Nr. 125 (1989), S. 16ff (pdf) ↩︎