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4.2. Jagen? Wachen? Hüten? – Jobs for Dogs!
Eine Unterscheidung in verschiedene, genormte Größen- und Farbschläge wie wir sie heute bei unseren Spitzen kennen, gab es in früheren Zeiten nicht. Trotzdem hat man zwischen kleinen und großen Spitzen unterschieden. Die kleinen Spitze haben im Prinzip die gleichen Charaktereigenschaften wie die großen, sind aber nur in sehr engem Rahmen für Arbeiten einsetzbar. Sie können natürlich Krach schlagen und Aufmerksamkeit erregen, wenn sie einen Eindringling entdecken, Ratten und Mäuse fangen, aber ein Hund von 22 cm Schulterhöhe kann kaum ein Wildschwein oder einen erwachsenen Einbrecher stellen, geschweige denn Rinder hüten. Er ist also ein Luxushündchen und wurde auch immer so bezeichnet. Sein Verbreitungsgebiet ist nicht geographisch, sondern sozial erfassbar und beschränkte sich vorwiegend auf Adel und Klerus.
Bedingt durch die vielfachen und teilweise realtiv großen regionalen Überschneidungen ihrer Verbreitungsgebiete, waren allerdings auch die Übergänge zwischen den Größen fließend.

Abbildung von 1880 aus Cassell’s Illustrated Book of the Dog.
Bei allen Größen waren seit jeher verschiedene Farbschläge vorhanden. Es gab sie in weiß/isabell, schwarz, grau, braun, orangerot und gescheckt.
Die Farbbezeichnung „isabell“ wird übrigens zurückgeführt auf das Hemd der Infantin Isabella Clara Eugenia von Spanien, die gelobte, ihr ursprünglich weißes Hemd nicht eher zu wechseln, als bis ihr Ehemann, der Erzherzog Albrecht VII von Habsburg, von der Belagerung Ostendes zurück sei. Da die Belagerung 3 Jahre, 3 Monate und 3 Tage dauerte, kann sich wohl jeder lebhaft vorstellen, welche Farbe ihr Hemd hinterher gehabt haben mag!

Während die Farbe bei den kleinen Spitzen keine besondere Bedeutung hatte, war bei den großen Spitzen die Fellfarbe in der Regel an das Arbeitsprofil angepasst, weil sie dem Hund ja die Erfüllung seiner teilweise regional unterschiedlichen Anforderungen erleichtern sollte. Dabei haben seit der Urzeit verschiedenste Kulturen unserem Spitz ihren „Stempel aufgedrückt“ – die Federmesser dem Wolfsspitz, die Kelten dem großen Schwarzen und die Indogermanen aus der Steppe dem großen Weißen. Eine einheitliche Gruppe mit übereinstimmenden Eigenschaften bilden sie nur, weil sie hier trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft alle auf die gleichen Voraussetzungen gestoßen sind: Sie durften nicht jagen und mussten wahre Alleskönner sein! Und da die regionale Verteilung der Arbeitsprofile sich nur wenig geändert hat, ist es im Wesentlichen auch bei der Verteilung der Farben geblieben. Ein bissel gemischt haben sie es – wo halt die Liebe hinfällt! 😉
Die Themen „Jagd“ und „streunende/wildernde Hunde“ ziehen sich durch die gesamte Literatur hindurch bis in die heutige Zeit, wobei bereits Fitzinger die Arbeitseigenschaften des Spitzes eindeutig als „Wachen und Hüten“ spezifiziert.


Ein guter Wachhund muss selbstverständlich bereit sein, sich seinem Herrn zu unterwerfen, aber in dessen Abwesenheit auch selbständig Entscheidungen im Sinne seines Besitzers treffen und mit Nachdruck durchsetzen können. In diesem Punkt unterscheidet sich der Spitz deutlich von vielen anderen Hunden, die schwerpunktmäßig auf Anweisung aktiv werden und ihren Herrn entsprechend dieser Anweisungen unterstützen. Der Spitz unterstützt seinen Herrn nicht einfach, sondern versteht und verhält sich als dessen Stellvertreter (siehe die Ausführungen zur Prägephase in Kapitel 2.3.). Dementsprechend finden wir in ihm einen äußerst anhänglichen, aber auch selbstbewussten und manchmal eigensinnigen, zuweilen sogar dickköpfigen Gesellen.
Eindringlinge werden unverzüglich lautstark gemeldet und in der Regel gestellt, bis der Hundebesitzer dazukommt und entscheidet, wie weiter zu verfahren ist.
Während bei den früheren Jagdgesellschaften die Gäste ihre eigene Hundemeute gern mitzubringen pflegten und diese Hunde dementsprechend nicht nur gegenüber anderen Menschen führig sein und mit fremden Hunden zusammen arbeiten mussten, wäre dem Bauern mit einem Wachhund, der auf ein anderes Kommando als das seines Herrn hört, ein rechter Bärendienst erwiesen. Daraus resultiert die Eigenschaft des Spitzes, normalerweise nur auf einen einzigen Herrn, allenfalls noch auf dessen Familienmitglieder zu hören. Die Existenz dieses sog. „Ein-Mann-Hundes“ wurde lange und nur allzu gern von selbsternannten Hunde-„Experten“ bestritten (oder wird es auch immer noch), weil es einfach im krassen Widerspruch zu der zwar unsinnigen, aber dennoch weit verbreiteten Annahme steht, aus jedem Herdenschutzhund mit entsprechend vielen Leckerli ein lammfrommes „Hascherl“ machen zu können. Die Existenz dieses Hundetypus‘ ist aber inzwischen eindeutig wissenschaftlich belegt2.

Beim Wachen selbst findet sich ein grundlegender und sehr deutlicher Unterschied zwischen dem Spitz und fast allen heutzutage zum „Wachen“ verwendeten Hunden, die das „Wachen“ mehr oder weniger stark erlernen, von ihrer ursprünglichen Verwendung her aber keine züchterische Selektion auf das Wachen als vordringliche Eigenschaft durchlaufen haben. Die meisten dieser Rassen entstanden sehr viel später aus Hüte- und Jagdhunden. Sie haben darum keine so ausgeprägte Reserviertheit gegenüber Fremden wie ein Hund, der bereits seit Jahrtausenden als Wachhund gezüchtet wurde. Der Spitz differenziert zwar und lässt sich im Beisein seines Herrn meist bereitwillig (manchmal auch gern) von Freunden des Hauses anfassen oder begrüßt sie sogar. Ist sein Herr aber nicht anwesend, wird er auch jeden Freund des Hauses behandeln wie einen Fremden. Das hat nichts mit Falschheit zu tun, die dem Spitz nur allzu gern nachgesagt wird, sondern ist ein Zeichen seiner unbestechlichen Treue gegenüber seinem Herrn!
Und ausschließlich diesem gegenüber!
Der entscheidende Punkt ist die Tatsache, dass das beim Spitz besonders stark ausgeprägte Wachen auf einer im Rahmen züchterischer Selektion vermutlich bereits zur Mitte des 10. Jahrtausends v. Chr. stattgefundenen genetischen Verstärkung des Territorialverhaltens beruht und mit der ebenso langen genetischen Abschwächung/Ausschaltung des Jagdtriebes kombiniert ist3. Sowohl ein schwächer ausgeprägtes Territorialverhalten, als auch das Vorhandensein aktiven Jagd-Instinktes beeinträchtigen das Wachverhalten ganz erheblich. Im ersteren Fall passt der Hund weniger akribisch auf und zeigt weniger intrinsische (angeborene) Verteidigungs-Motivation, weil die genetisch festgelegte Reizschwelle zur Auslösung des Territorialverhaltens höher liegt und im zweiten wird er durch den ebenfalls sehr starken, bzw. sogar stärkeren Jagdtrieb davon abgelenkt (und verlässt ggf. sogar das zu bewachende Territorium) weil die genetisch vorgegebenen Schwellenwerte zur Auslösung des jeweiligen Verhaltensmusters in einer gänzlich anderen Relation zueinander stehen. Maßgeblich ist also die Kombination von ausgeprägter Territorialität und fehlendem Jagdtrieb! Bei Hunden wie dem Spitz werden die Verhaltensmuster des Jagdkomplexes, sofern sie überhaupt noch rudimentär im Genom vorhanden sind, über die epigenetische Fixierung im Rahmen korrekter mütterlicher Prägung sehr spezifisch inaktiviert und sind daher überhaupt nicht abrufbar! Entsprechend ist ihre abschwächende Wirkung auf das Territorialverhalten ausgeschlossen. Inwischen ist über drei verschiedene Forschungsansätze, sowohl über die Verhaltensforschung4, als auch neuro-anatomisch (morphologisch)5 und genetisch6 nachgewiesen, dass aber genau diese Verhaltensmuster hochgradig erblich sind, wobei die Prägung durch eine entsprechend aufgestellte Mutterhündin in höchstem Maße und sehr nachhaltig, weil generationsübergreifend, modifizierende und verstärkende Wirkung hat.

Und das bedeutet, dass ein Hund, der andere Verhaltensmuster geerbt hat und anderweitig geprägt wurde, sich immer auch anders verhalten wird, denn eine Ausbildung/Konditionierung kann niemals erbliche Verhaltensmuster ersetzen oder löschen, sondern lediglich die Spielräume nutzen, die durch die erblichen Verhaltensmuster vorgegeben sind. Man kann also beispielsweise einen Schäferhund zwar zu einem Wachhund ausbilden – eine solche Ausbildung ersetzt aber kein erbliches und über mütterliche Prägung verstärktes Verhaltensmuster, sondern bleibt sozusagen an der Oberfläche und verblasst nachweislich, wenn das Training aussetzt oder reduziert wird.

Corkole, Auguste (1822 – 1875), Museum Gent

von Adrian Ludwig Richter (1803 – 1884), aus ,, Fürs Haus“

Ansichtskarte 1900

Genau das ist der Unterschied zwischen einem Spitz, dem das Wachen „in die Wiege gelegt“ ist und einem zum Wachen abgerichteten Hund mit völlig anderem genetischen Hintergrund.
Der Spitz ist ein geborener Wächter!
Man muss es ihm weder beibringen, noch muss man ihn dazu motivieren. Beides ist ihm angeboren!
Wegen dieser enormen Wachsamkeit des Spitzes finden wir ihn auch auf vielen Bildern, Postkarten und als Schnitzereien immer wieder als typischen Begleiter des Nachtwächters!
In früheren Zeiten gehörten zu den Einbrechern und Dieben auf den Höfen allerdings keineswegs nur Zweibeiner. Auch Ratten, Mäuse, Wiesel, Fuchs und nicht zuletzt streunende Hunde und Katzen, die sich an den Gütern des Bauern gütlich tun wollten, mussten vertrieben oder getötet werden. Deshalb ist der Spitz auch nicht grundsätzlich freundlich gegenüber anderen Hunden. Ihnen gegenüber verhält er sich ebenso zurückhaltend, manchmal auch abweisend, wie fremden Menschen gegenüber. Die deutliche Halskrause und die beim Spitz (außer bei Ruhe, schlechter Laune oder Krankheit) im Normalfall hoch auf den Rücken geringelte buschige Rute signalisieren insbesondere fremden Hunden bereits aus der Ferne, dass sie es mit einem selbstbewussten durchsetzungsfähigen Artgenossen zu tun haben (im Gegensatz zur eingeklemmten Rute eines unterwürfigen Hundes, die seine am After gelegenen Duftdrüsen bedeckt) und machen einen nicht unwesentlichen Anteil seines respekteinflößenden Eindrucks auf wesentlich größere Hunde aus. Außerhalb seines Reviers ignoriert der Spitz andere Hunde vielfach völlig, in seinem Revier hängt es davon ab, ob sie von seinem Herrn „eingeladen“ wurden.
Und Gnade Gott dem Hund, der eine zum Hof gehörende Katze oder ein Huhn jagt! Dabei hat der Spitz ein hervorragendes Gedächtnis und wird diesen Eindringling auch nach vielen Jahren noch wiedererkennen und wütend verfolgen! (Und wer auch nur ein einziges Mal solch einen zornigen Kerl an den Fersen hatte, wird es kein zweites Mal versuchen!!!)
Was dem Spitz anvertraut wird, ist ähnlich sicher wie in einem Tresor!
Und wenn es sich dabei um „seine“ Kinder handelt, kann er zum Höllenhund persönlich mutieren!



So wurden Spitze wegen ihrer sehr ausgeprägten Raubzeugschärfe (die in keinem Widerspruch zum fehlenden Jagdtrieb steht, sondern in den Verhaltenskomplex des Territorialverhaltens gehört!!!) schon früh in Tierkämpfen eingesetzt, wie im Lutrell Psalter des 14. Jahrhunderts belegt. Auch sehr viel später finden wir noch vergleichbare Abbildungen in Kinderbüchern.

Luttrell Psalter, England um 1330-1340


aus: Panorama – Ein Bilderbuch für kleine Kinder (1830) von Ferdinand Rubach

Gemälde von Christian Wilhelm Karl Kehrer (1770 – 1869)

Gemälde von Carl Friedrich Deiker (1836-1892)
Ebenso belegen dies die Bilder von Kehrer und Deiker für den Einsatz der Spitze gegen Wildschweine.
Ohne diese Eigenschaft wäre ihre Verwendung als Reb- oder Weinbergspitze, die in Süddeutschland die Weinberge u. A. gegen die nächtlichen Übergriffe von Wildschweinen schützten, kaum denkbar gewesen!
Allerdings beschränkt sich ihre Verwendung dabei auf das Stellen des Raubzeugs. Die für eine jagdtypische Verfolgungsjagd erforderliche schnürende Gangart ist ihnen aufgrund des angezüchteten sehr kurzen Rückens und der Winkelung der Hinterbeine praktisch nicht möglich, sondern reduziert sie auf schränkende und damit langsamere und für eine Verfolgungs-/Hetzjagd unökonomische, anstrengende Fortbewegung. Dass der Spitz dennoch auf Kurzstrecken ein wahres Höllentempo entwickeln kann, ist Ergebnis seiner Sprungkraft.
Reb- oder Weinbergspitze wurden in Süddeutschland mit Schwerpunkt um Stuttgart herum gezüchtet. Bei ihnen war die schwarze Farbe wichtig, um ihnen bei ihrer nächtlichen Arbeit in den Weinbergen optische Deckung zu bieten. Der häufige Kontakt mit Wildschweinen, die gerade in der Rausche (Paarungszeit) hochaggressiv sind, hat sie zu den wohl schneidigsten Vertretern ihrer Rasse geformt. Im Schnitt waren sie mit Schulterhöhen zwischen 35 und 40 cm etwas größer als z. B. die Mannheimer, durften aber auch nicht zu groß werden, denn diese Größe war optimal, um bei einer Wildschwein-Attacke gut und schnell unter den Rebstöcken hindurchhuschen und sich in Sicherheit bringen zu können, in denen sich das Fell zu großer Hunde leicht verfangen kann. Bei einem so gefährlichen Gegner kann das schnell tödlich enden und das vordringliche Ziel ist das Vertreiben der Wildschweine und nicht die, manchmal aber nicht auszuschließende, Auseinandersetzung mit ihnen. Das erklärt auch, warum das Fell der Großspitze im Vergleich zu dem der Wolfsspitze extrem glatt ist und keinerlei Tendenz zum Filzen zeigt, was uns natürlich heute so wundervoll pflegeleichte Begleiter beschert.

Rechts: Schränken – der Hund setzt die Füße nebeneinander (Llywellynn)
Die mittlerweile immer größer gezüchteten Vereins-Großspitze zeigen hier die deutliche Verselbständigung eines von den Gebrauchseigenschaften vollkommen abgekoppelten Standards und Schönheitsideals! Dabei ist sicherlich zu berücksichtigen, dass die heutigen Spitze keine Weinberge mehr bewachen, aber man darf auch nicht übersehen, dass die geringere Körpergröße die Voraussetzung für die grandiose Beweglichkeit und Schnelligkeit der Hunde bildet, die mit zunehmender Größe dann ebenfalls verlorengeht. Dabei stellt sich die Frage, welche der Arbeitseigenschaften des Spitzes wichtig und besonders erhaltenswert sind, weil ihnen für den Fortbestand dieser Hunderasse entscheidende Bedeutung beigemessen werden muss, wie beispielsweise der Aspekt der Agilität für seine Bedeutung als Freizeithund oder des fehlenden Jagdtriebes hinsichtlich der (Kinder-) Sicherheit eines Familienhundes – aus meiner Perspektive der wohl wichtigste Gesichtspunkt! Beißvorfällen generell liegt nachweislich in fast allen Fällen nicht Aggressivität, sondern die reflektorische Auslösung des Beuteverhaltens aus der Jagdkaskade zugrunde7, die bei einem Hund mit fehlendem Jagdtrieb nicht auslösbar ist!
Da im nord- und mitteldeutschen Raum Weinberge allerdings immer schon sehr selten waren, fielen den Spitzen in diesem Bereich auch etwas andere Arbeiten zu.

Adrian Ludwig Richter (1803 – 1884)

Paul Vayson (1841 – 1911)

Berücksichtigt man die finanzielle Lage der Bauern und Kötter früherer Zeiten, so wird schnell klar, dass sie häufig kaum in der Lage waren einen großen Hund oder gar mehrere Hunde zu ernähren. Also musste der Spitz die dortigen Bauern auch beim Treiben des Viehs unterstützen, wie aus dem links abgebildeten Stich nach Adrian Ludwig Richter schon zu sehen ist. Dabei ist die weiße Farbe für die meisten Hütehunde von besonderer Bedeutung, um sie leicht auch auf große Distanz und im Dunkeln vom Wolf unterscheiden zu können.
Dennoch gab es, wenn auch in geringerer Zahl, dunkle Spitze, die bei der Hütearbeit eingesetzt wurden. Im Allgemeinen waren Hüte- oder Herdenschutzhunde farblich dem zu hütenden Vieh angepasst, konnten also bei braunen Schafen ebenfalls einfarbig dunkel oder bei Fleckvieh gescheckt sein, Der Spitz durfte dabei in seinen Fähigkeiten keineswegs auf Schafe beschränkt sein, sondern musste auch Rinder oder Schweine treiben können.
Und wie man sieht – sie beherrschen ihr Handwerk noch heute!
![Hütende Spitze 2016
[Foto: © J. Jakob – www.dorfspitz.de]](https://deutscher-spitz-geschichte.mistklaeffer.de/wp-content/uploads/2026/09/2016-09-07-Huetende-Spitze-Bild-03-200x300.webp)
[Foto: © J. Jakob – www.dorfspitz.de]
![Hütende Spitze 2016
[Foto: © J. Jakob – www.dorfspitz.de]](https://deutscher-spitz-geschichte.mistklaeffer.de/wp-content/uploads/2026/09/2016-09-07-Huetende-Spitze-Bild-02-300x200.webp)
[Foto: © J. Jakob – www.dorfspitz.de]
![Hütende Spitze 2016
[Foto: © J. Jakob – www.dorfspitz.de]](https://deutscher-spitz-geschichte.mistklaeffer.de/wp-content/uploads/2026/09/2016-09-07-Huetende-Spitze-Bild-04-300x200.webp)
[Foto: © J. Jakob – www.dorfspitz.de]
![Hütende Spitze 2016
[Foto: © J. Jakob – www.dorfspitz.de]](https://deutscher-spitz-geschichte.mistklaeffer.de/wp-content/uploads/2026/09/2016-09-07-Huetende-Spitze-Bild-05-300x200.webp)
[Foto: © J. Jakob – www.dorfspitz.de]
Der heute ausgestorbene Pommer´sche Hütespitz, der als besonders guter Hüter von Schafherden in ganz Europa bekannt und berühmt war und zu den Ahnen des weißen Schäferhundes, aber auch des Shelties u.a.m. zählt, ist kein unmittelbarer oder ausschließlicher Ahnherr unseres heutigen Großspitzes, aber wohl an seiner Entstehung beteiligt.
Im englischen Sprachraum werden Hunde, die diesen Hackenbiss zum Hüten, bzw. Treiben dies Viehs einsetzen, auch als „Heeler“ (heel = Ferse) bezeichnet. Zu ihnen zählen beispielsweise der Australian Cattle Dog, der Bouvier des Flandres u. a. m. Merkwürdigerweise kommt bei diesen Hunden niemand auf die unsinnige Idee, ihnen den Hackenbiss als Charakterfehler zu unterstellen.
Der weiße Spitz und seine Spielart, der isabellfarbene Spitz, ist im Normalfall nicht ganz so cholerisch wie seine schwarzen Vettern, denn Schafe sind, je nach Rasse, in dieser Hinsicht oft recht empfindlich. Bei Schweinen und Rindern hingegen sollte der Hund eher weniger zimperlich sein und die gute Beherrschung eines korrekten Hackenbisses spielt eine bedeutende Rolle, um sich bei ihnen durchsetzen zu können. Im Gegensatz zu landläufigen Vorstellungen ist das nämlich weit mehr als bloßes „Zulangen“, sondern erfordert eine gute und genaue Technik, die bei den wenigen alten Hütehund-Rassen, die ihn noch beherrschen (z.B. Harzer Fuchs oder Westerwälder und Siegerländer Kuhhund). sogar abgeprüft wird!

Ölgemälde von Ernst Adolph Meißner (1837 – 1902)
Ihr Aufgabengebiet umfasst das Treiben des Viehs und dessen Schutz („Treibhunde“!), weshalb sie sämtlich eine nicht zu unterschätzende Raubzeugschärfe zeigen. Entwicklungsgeschichtlich bilden sie den Übergang zwischen Herdenschutzhunden, deren Arbeitsweise eine Weiterentwicklung des Territorialverhaltens ist, und den jüngeren (z. B. britischen) Hütehundrassen, deren Hüteverhalten aus einem modifizierten Jagdverhalten resultiert (Brassard et al. 20228). Das Hüteverhalten des Spitzes fußt also auf vollkommen anderen Verhaltensmustern und entspricht dem der alten Hütehundrassen.
All diesen Hunden gemeinsam ist eine ungewöhnliche Agilität und Sprungkraft, sowie ihre außerordentliche Durchsetzungsfähigkeit – Eigenschaften, die zu den charakteristischen Fähigkeiten des Deutschen Spitzes gehören!
Wer dem Spitz diese Fähigkeit, die ihn eigentlich als sehr alten und vielseitigen Hüte-, bzw. Treibhund auszeichnet, heute als Unart vorwirft, dokumentiert eigentlich nur sein eigenes Unwissen.
Da der Spitz ein äußerst pfiffiges und erfinderisches Kerlchen ist, findet er meist schnell heraus, dass sich dieser Hackenbiss nicht nur zum Treiben vierbeiniger, sondern auch zum Treiben zweibeiniger Rindviecher wunderbar eignet.
So what?

aus: ,,Ein Herz und eine Seele‘ – Das kleine Buch vom Hund“, 1958 von Hans Georg Benz

Mittelspitz, Foto: © T. Klüh


Bundesarchiv Bild 183-2008-0312-501, Bochum, Kuhhirten-Denkmal 1930
Aus diesem Zusammenhang resultiert auch ein weiteres Missverständnis, welches sich erst bei näherer Beschäftigung mit der Geschichte erschließt:
Die Bezeichnung des Spitzes als Schäferhund!
Der heutige Schäferhund als eigenständige Rasse existierte früher nicht, sondern man bezeichnete Hunde üblicherweise entsprechend ihrer Aufgabe. Und so war – unabhängig von unserer heutigen Rasse-Zuordnung – der Begleiter des Schäfers, manchmal auch anderer Hirten (Rinder, Schweine), eben ein „Schäferhund“.
Auch der beim später entstandenen Bochumer Kuhhirten-Denkmal abgebildete und zum Treiben von Rindern eingesetzte „Schäferhund“ war ein Spitz (Wolfsspitz).
Die unbedingte Treue des Spitzes prädestiniert ihn nicht nur zum zeitweise alleinigen Bewacher eines Hofes. Ebenso gern begleitet er seinen Herrn überall hin, wenn er darf.
So hat er in früheren Zeiten auch vielfach wandernde oder fahrende Händler (wie z. B. die westfälischen ,,Kiepenkerle“) begleitet, die der ständigen Gefahr von Überfällen marodierender Banden ausgesetzt waren.

Leider bekommt ihm diese Treue nicht immer gut, weil sie so manchem ein Dorn im Auge ist:
Scherenschleifer hatten nämlich selbst nicht gerade den besten Ruf und genau das könnte eben Anlass für das Verhalten des Schleifers aus nebengenanntem Urteil gewesen sein . . .

Gemälde von Johann Conrad Seekatz (1719-1768)
Gerade die fliegenden Händler und Fuhrleute waren im Normalfall aber froh über diesen wachsamen „kleinen Teufel“ (so wurde er früher oft genannt) oder „Fuhrmannsspitz“, der Diebe fernhielt und mit seinen Kunststückchen mögliche Käufer anlockte.
Auf nebenstehendem Bild ist der Händler mit Kiepe und Spitz links im Vordergrund zu sehen. Anlässe wie ein Dorffest waren selbstverständlich Anlaufpunkte für Händler, die mit ihrem Hund dann auch selbst Kunststückchen vorführten. Oft fanden sie im Rahmen von sog. Markt-Tagen statt.
Auf den Fuhrwerken saß der Spitz manchmal auf dem Kutschbock oder lief neben dem Wagen her. Den Fuhrmanns-Spitz finden wir von der klassischen Antike bis in jüngste Zeit dokumentiert, wo er noch in den 1950er Jahren in einer Reklame für Kräuterlikör auftaucht (etliche weitere Bilder befinden sich noch im Spitz-Museum!):

Gemälde von Fritz Beinke (1842 – 1907)

200 bis 230 nach Chr.,Römisches Museum in Augsburg, Autengruber-Thüry, S. 2769

Gemälde von Johann Adam Klein (1792 – 1875) (c) Jac. Gazenbeek-Stift

Gemälde von Enrico Coleman (1846 – 1911)


(in: Diana. Blätter für Jagd- und Hundefreunde,S, 187f) [pdf]

Ansichtskarte von Paul Hey (1867 – 1952)

Ansichtskarte 1905
Josef Egon Frank (1873–1941)

Aris, Großspitz
Foto: © J. Jakob – www.dorfspitz.de
Ebenso häufig begleitete er auch Post- und andere Kutschen. Noch 1902 schreibt Oberleutnant a. D. Emil Ilgner dazu (Zitat)10:
„Man beobachte nur mal einen Spitz bei einem Lastwagen; von der Ladung setzt er auf den Bock, von dort auf den Rücken des Pferdes, von da herab auf die Straße und so wieder zurüci; das reine verkörperte Perpetuum mobile.„
Auch heute noch begleitet der Spitz gern Pferd und Wagen und wenn die Pferde es gewohnt sind, sitzt er gern auf ihrem Rücken. Wer den Spitz nicht kennt, wird sich wundern, wie schnell und sprunggewaltig er ist. So mancher Jagdhund kommt da nicht hinterher!

Ein fast identisches Einsatzgebiet – nur eben zu Wasser – hatte der Mannheimer Spitz. Er begleitete die Fluss-Schiffer, die meist in der Stadt Mannheim anlegten (daher der Name!) und entsprach in der Erscheinung etwa einem heutigen schwarzen Mittelspitz. Besonders wichtig war die Anwesenheit des Spitzes, wenn der Schiffer den Kahn verlassen musste oder das Schiff gegen den Strom flussaufwärts gezogen (getreidelt) werden musste.
Unten sehen wir den Mannheimer auf der Visitenkarte des Genremalers Johann Adam Klein, der uns besonders viele schöne Abbildungen von Fuhrmannsspitzen geschenkt hat.

Gemälde von Johann Nepomuk Höchle (1790 – 1835)
(c) Museum Wien

Visitenkarte des Genremalers Johann Adam Klein (1792 – 1875), British Museum
Das Verbreitungsgebiet der Mannheimer zeigt weiträumige Überschneidungen mit dem der ebenfalls meist schwarzen Reb- oder Weinbergspitze und sie sind hinsichtlich ihres Temperaments auch vergleichbar. Im Prinzip unterscheiden sie sich nur durch die Größe, die beim Mannheimer meistens zwischen 30 und 35 cm lag.
Gerade der Mannheimer wurde wegen dieses ausgeprägten Temperaments auch besonders gern und häufig als Fuhrmannsspitz eingesetzt und war als „schwarzer Teufel“ berüchtigt dafür, mit Langfingern besonders kurzen Prozess zu machen.
Dies ist übrigens ein Punkt (neben verschiedenen anderen), an dem das offenbar zunehmend beliebtere Ammenmärchen vom großen Spitz als angeblichem „Hund der feinen Leute“ hakt: Die „feineren Leute“ reisten vorwiegend in kleineren und schnelleren Kutschen, die seltener pausierten und ließen sich von regelrechten Ausdauerläufern begleiten – vorzugsweise Dalmatinern! Ein weiteres, auf der Basis mangelnden Wissens erfundenes, hübsches Geschichtchen also zur vermeintlichen, aber m. E. vollkommen überflüssigen Aufwertung eines uralten Arbeitshundes.
Ist der Spitz nicht aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften gut genug?
Der Wolfspitz war vordringlich im westlichen Westfalen und entlang des Rheingrabens als Hofwächter verbreitet und wirkte immer mehr über seine imposante Erscheinung. Er ist der größte und ruhigste unter den Spitzen – in der Ruhe liegt die Kraft.
Seine Farbe beschränkte sich allerdings keineswegs auf Einheits – „graugewolkt“, vielmehr gab es, wenn auch in geringerem Umfang, graugewolkte Wolfsspitze mit braunem Einschlag, vollkommen braungewolkte Wolfsspitze und darüber hinaus noch einen westfälischen Landschlag – den schwarzen Wolfsspitz (und alles mögliche dazwischen).


Gemälde von Thomas Gooch (1750 – 1802)

aus: Der Deutsche Spitz (Joseph Hennecke)
Hierzu mal links stehender Buch-Auszug von 181711.
Selbst der Initiator des Deutschen Spitzvereins – Charles Kammerer – hatte einen sogar hochprämierten weißen Hund Billy, der sehr unterschiedlich eingeordnet wurde.
Ich selbst hüte seit Jahr und Tag eine Postkarte von 1905 (rechts), auf der er als „Grauer Spitz“ bezeichnet wird.
In der Zeitschrift „Hundesport und Jagd“12 dagegen wird Billy als weißer Spitz mit cremefarbenem Rücken beschrieben (unten auf der Seite).
Auf der darunter abgebildeten Seite der Zeitschrift ,,Sport im Bild‘‘13 ist Billy als „Weisser Wolfsspitz“ abgebildet. (Für sehr große, gut lesbare Abbildung „webp“ nutzen!)
Ebenfalls zu sehen ist der auch in Kammerers Besitz befindliche Wolfsspitzrüde Tell, der hier als grauer Wolfsspitz bezeichnet wird – andernorts aber als schwarz, und der, wie bei „Hundesport und Jagd“ ebenfalls zu lesen ist, einen weißen Brustfleck hatte!
Vor Banjas Ausstellung wurde mir von einer Zuchtwartin hinter vorgehaltener Hand erzählt, dass auch zum damaligen Zeitpunkt fast alle schwarzen Spitze mindestens ein weißes Fleckchen auf der Brust hätten (wie ich es ja auch von meiner Susanne und Griepto schon kannte), die aber vor den Ausstellungen gefärbt oder herausgeschnippelt würden.
Und da verblüfft es mich doch, wie ein Zuchtverein, wenn das seit mehr als hundert Jahren bekannt ist, auf die absurde Idee kommt, einen Zuchtstandard aufzustellen und beizubehalten, der genau diese normalste Sache der Welt ausschließt!
Wenn im Standard stünde, dass der Hund grün sein soll, würden dann alle Züchter ihre Hunde grün färben? Und die anderen werden „ausgemustert“ und kommen als Mischlinge ins Tierheim?
Der VfDSp hatte diese andersfarbigen Wolfsspitze jedoch bereits sehr früh ausgeschlossen und so schienen sie schon verschwunden zu sein. Glücklicherweise speichern und transportieren Gene solche Informationen aber oft, vor unseren Augen gut versteckt, über erstaunlich lange Zeiträume hinweg und Schwupps!!! da sind sie wieder!
🙂
Ein Blick in die Spitzdatenbank fördert neben den nebenstehend abgebildeten 43 andersfarbigen Wolfsspitzen noch 25 schwarze (webp, pdf), 15 weiße (webp, pdf) und 12 blau-graue (webp, pdf) Wolfsspitze ans Licht.
Gezüchtet werden sie allerdings im Ausland (GWENA BROWN President z Merboltic ist aus der Tschechei, wird in unserer Datenbank allerdings als Großspitzin ausgewiesen und entstammt einer Verpaarung schwarzer Großspitz x Wolfsspitz) oder in der sog. Dissidenz, also außerhalb des VDH in Deutschland. Trotz alledem fallen auch solche Welpen im VDH. Nur, dass sie dort eben nicht anerkannt werden. Papiere bekommen sie aber wohl.




Mit den schwarzen Wolfsspitzen hat es noch eine etwas andere Bewandtnis:
Während des 30jährigen Krieges (1618 – 1648) und später auch durch Fuhrleute gelangten aus Württemberg schwarze Großspitze nach Westfalen. Schnell erkannten die Bauern, die bis dahin hauptsächlich weiße und und Wolfsspitze kannten, die Vorzüge des schwarzen Gesellen und so kreuzten sie die Hunde, um sie in Westfalen zu erhalten, immer wieder in ihre Wolfsspitze ein. Auf diesem Wege hatten sie die Größe des Wolfsspitzes mit dem Temperament des Schwarzen kombiniert und indem sie geflissentlich darauf achteten, zur weiteren Verwendung in der Zucht nur Hunde zu nehmen mit glatter Unterwolle, waren die schwarzen Wolfsspitze ebenso pflegeleicht geworden wie die Großspitze. Gelegentlich – wenn’s passte, wurde auch mal ein weißer eingekreuzt und daher haben Westfalen häufig weiße Lätzchen, Schwanzspitzchen oder Stiefelchen. Im ländlichen Westfalen sind sie bis in die heutige Zeit nicht als schwarzer Großspitz, sondern als „Schwarzer Wolfsspitz“ bekannt und begehrt. Es hat solche Hunde durchaus auch außerhalb Westfalens gegeben, aber eher als Zufallsprodukt – lediglich in Westfalen hat man aus ihrer Zucht eine Kür gemacht und dabei die Fellqualität besonders berücksichtigt.

Deutlich erkennbar auf den Bildern ist die für diesen überwiegend sehr massiven Landschlag typische Kombination aus graugewolkter Unterwolle und schwarzem Deckhaar, tw. mit weißen Abzeichen. Wenn der Hund ruhig ist und das Fell trocken, sieht er fast ganz schwarz aus – wird das Fell feucht oder ist der Hund in Bewegung, sieht man die Unterwolle.durchschimmern.
Vom VDH wurden sie nie als eigener Landschlag anerkannt und in der heutigen Zucht in den neueren Vereinen werden sie als schwarze Großspitze eingeordnet. Der Name dürfte ihnen aber wohl egal sein – es waren immer erstklassige Spitze und sind es bis auf den heutigen Tag!
Einen wirklich vernünftigen Grund, all diese – aus meiner Sicht – wunderschönen bunten Wolfsspitze aus der Zucht auszuschließen/abzuwerten (!) und sie zu einem gewolkten Einheitsgrau zu verdammen, hat mir noch niemand nennen können. („Ein guter Hund hat keine Farbe!“)
Es gab zu allen Zeiten große Überschneidungsbereiche zwischen den heute standardmäßig auseinanderdividierten Varietäten, die darauf beruhen, dass Spitze unabhängig von ihrer Farbe zu Lande wie zu Wasser als Wächter von Händlern und Fuhrleuten, aber auch von früher noch sehr verbreiteten Wanderschäfern eingesetzt wurden und dadurch viel in der Welt herumkamen. Das heißt, dass die von mir hier genannten Verbreitungsgebiete lediglich als Kern– oder Schwerpunkt-Gebiete aufzufassen sind, die mehr oder weniger eng mit der jeweiligen regionalen Wirtschaftsweise korrrespondierten und nicht mehr. Auch die Bezeichnungen der einzelnen Varietäten waren nicht in Stein gemeißelt: Während mancherorts als „Pommer“ ausschließlich große weiße Spitze angesehen wurden, verstanden andere darunter ausschließlich Wolfsspitze oder Spitze allgemein. Wesensunterschiede zwischen den einzelnen Farbschlägen gibt es zwar, sie waren aber nie sehr gravierend und die besondere Vielseitigkeit, aber auch Genügsamkeit und hohe Anpassungsfähigkeit der Spitze, sowie ihre wirklich außergewöhnliche Zuverlässigkeit haben ihnen dabei mit Sicherheit noch zusätzlich den Weg geebnet und ihr zu jedem Schabernack aufgelegtes Wesen mag in Zeiten schwerster Not, von denen sich gerade während des Mittelalters und der frühen Neuzeit Eine an die Andere gereiht hat, Balsam für unzählige Seelen gewesen sein.
Abgesehen von den Wolfsspitzen, lag das am stärksten verbreitete Maß für arbeitende große Spitze also, je nach Verwendung, zwischen 30 und 40 cm Rückenhöhe, allenfalls geringfügig darüber, und nicht bei 50 cm oder gar darüber!
Umso trauriger ist es, dass diese Hunde in der vereinsmäßigen Zucht lange Zeit hintenan gestellt und entweder herzlich wenig beachtet oder als „zu groß geratene Schoßhündchen“, bzw. als „zu mickerige Großspitze“ betrachtet wurden. All das wird ihnen, ebenso wie die unsinnige und fatale Farb-Reinzucht nicht gerecht, denn gerade sie bilden die eigentliche und durchaus bunte Avantgarde der großen Spitze! – siehe auch
„Der steinige Weg der Mittelspitze bis zur Anerkennung im Standard“
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4.3. Die Welt im Umbruch
Bibliografie
Die Angaben mit vorangestellter Jahreszahl beziehen sich auf wissenschaftliche Publikationen, die mit vorangestelltem Namen des Autors/der Autoren/Herausgebers auf Bücher und sind unter dem jeweiligen Link zu finden. (Sofern sie nicht ausschließlich käuflich zu erwerben sind!)
Diese und weitere Literatur finden Sie unter: Deutscher Spitz – Info-Zentrum
- Lydekker, Richard, The royal natural history, 1894 ↩︎
- 2024 Lugosi, Csenge Anna & Pongrácz, Peter, Independent, but still observant – dog breeds selected for functional independence learn better from a conspecific demonstrator than cooperative ↩︎
- 2022 Brassard, Colline et. al., Unexpected morphological diversity in ancient dogs compared to modern relative ↩︎
- 2016 Konno, Akitsugu et al., Dog Breed Differences in Visual Communication with Humans ↩︎
- 2019 Hecht, Erin E. et al., Significant Neuroanatomical Variation Among Domestic Dog Breeds ↩︎
- 2019 MacLean, E. L. et al., Highly heritable and functionally relevant breed differences in dog behaviour ↩︎
- 2022 Neumeister, Niklas, Hundebisse bei Kindern und Jugendlichen – Eine retrospektive Studie ↩︎
- 2022 Brassard, Coline et al., Unexpected morphological diversity in ancient dogs compared to modern relatives ↩︎
- 2021 Autengruber-Thüry, Heidelinde, Hunde in der römischen Antike. Rassen-Typen-Zucht-Haltung und Verwendung, Archäopress ↩︎
- Oberleutnant a. D. Emil Ilgner in: Ströse, A., Unsere Hunde, Ein Lehr- und Handbuch für Züchter, Preisrichter, Dresseure und Hundefreunde, Erster Band – Form und Leben des Hundes,1902, S. 302 ↩︎
- Walther, Dr. Friedrich Ludwig, Der Hund, 1817 ↩︎
- „Hundesport und Jagd“, Nr. 10, vom 03.10.1895 ↩︎
- „Sport im Bild‘‘ No. 20, III. Jg. (erschienen am 14.05.1897), S. 366 ↩︎



