„Auslandsaktivitäten“ des Deutschen Spitzes

Inhalt

Der American Eskimo Dog

Der Indische Spitz

Der Japanspitz

Bibliografie

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Geschichte der Spitze

Der American Eskimo Dog

Angesichts von rd. 32 Mio. Auswanderern nach Amerika allein während des 19. Jahrhunderts ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich gerade dort eine besonders große Zahl von mitgebrachten Spitzen einfand, die selbstverständlich auch weiter gezüchtet wurden.

Durch seine ausgeprägte Wachsamkeit, Mannschärfe und sein tw. aufbrausendes Wesen geriet der Spitz natürlich besonders leicht unter Verdacht, tollwütig zu sein, wie eine entsprechende US-amerikanische Massenhysterie der 1870er/1880er Jahre drastisch verdeutlicht. Denn die erste Tollwut-Impfung wurde erst 1885 von Louis Pasteur entwickelt.1

Anfang des 20. Jh. kochte dann die Stimmung in den USA aufgrund des 1. Weltkrieges hoch und es entstand eine ausgesprochen Deutschland-feindliche Meinung in der Öffentlichkeit, weshalb man den Spitz, auf den man als Hund und unbestechlichen Begleiter natürlich nicht mehr verzichten wollte, in der Folgezeit mehrfach umbenannte.

Sicherlich wurden auch hier, wie in allen anderen Teilen der Welt – einschließlich Deutschland (!!!) – hier und da vereinzelt andere Hunde eingezüchtet. Genau so und nicht anders wurden zu allen Zeiten Hunderassen gezüchtet und auch entwickelt!

Heute heißt dieser Nachfahr unserer Deutschen Spitze American Eskimo Dog und wird in den Farben weiß, weiß mit biscuit/cream, sowie biscuit/cream (entspricht dem im FCI-Standard nicht anerkannten, aber seit hunderten von Jahren existierenden „isabell“) und drei Größenschlägen gezüchtet:

  • Standard 36–48 cm
  • Miniature 28–38 cm
  • Toy: Rüden unter 30 cm, Hündinnen unter 28 cm

Der American Eskimo Dog, oft abgekürzt als AED, wird seit 1994 als eigenständige Rasse anerkannt vom American Kennel Club (AKC) – Standard AKC – und seit 1913 vom United Kennel Club (UKC) – Standard UKC – während er von der FCI als Variante des Deutschen Spitzes betrachtet wird. (Die zeitlichen Diskrepanzen entstanden durch die mehrfache Umbenennung.)

Wenn Hundepopulationen durch geografische oder auch z. B. vereinspolitische Vorgaben geteilt und voneinander isoliert weitergezüchtet werden, ist es eine vollkommen normale und zu erwartende Auswirkung, dass sie allein durch genetische Drift auch abweichende Entwicklungen zeigen, die umso ausgeprägter sind, je länger diese Trennung andauert. Gleichzeitig sind aber auch Hunde individuelle Wesen und die Unterschiedlichkeit solcher Entwicklungen wird sich folglich auch individuell unterschiedlich ausprägen. Eine entsprechende Zuchtauswahl vorausgesetzt, die aber auch innerhalb einer nicht getrennten Zuchtpopulation erfolgt, ist es durchaus sinnvoll, Vertreter der Population(en) in die Zucht der jeweils anderen einzubeziehen um den Genpool zu erweitern.

Leider sträuben sich manche Spitzzüchter aus Unwissenheit vor solchen sinnvollen Maßnahmen und versteigen sich stattdessen in z. T. völlig abstruse Behauptungen. Eine dieser Behauptungen ist beispielsweise, dass der AED von Zirkushunden abstamme. Diese Behauptung ist auch nicht von der Hand zu weisen – allerdings stammen alle Spitze, also auch die in Deutschland zu findenden, mehr oder weniger von Zirkushunden ab!

Siehe hierzu:

(Aber wie sagt man doch gleich? „Was dem Einen Sayn Uhl, ist dem Andern sein Pfahlbauspitz‚, Feiner-Leute-Hund, der unbedingt ein eigenes Haus mit Garten brauchtoder so . . .)

Eine dezidierte und sachlich sehr gut recherchierte Arbeit zur Geschichte der AED findet sich hier (Ich muss ja nicht das Rad neu erfinden…):

Die Rückführung des American Eskimo Dog

Der Indische Spitz

Im Rahmen des britischen Kolonialismus wurden schwerpunktmäßig zwischen 1850 und 1870 von den Briten, teilweise aber auch über die involvierte niederländischen Ost- und West-Indienkompanien, die ihre Arbeitskräfte aus den Niederlanden und Deutschland rekrutierten, große Spitze nach Indien mitgenommen.

Diese Spitze wurden von den in Indien niedergelassenen Züchtern unter Berücksichtigung ihrer Arbeitseigenschaften durch vereinzelte vorsichtige Einkreuzung dortiger Pariahunde an das indische Klima angepasst und als „Indischer Spitz“ weitergezüchtet.

Aufgrund restriktiver Einfuhrbestimmungen der indischen Regierung in den 1980er und 1990er Jahren waren ausländische Importhunde kaum zu bekommen und so wandte sich die indische Bevölkerung verstärkt einheimischen und lokalen Hunderassen zu, zu denen der Indische Spitz mittlerweile zählte. Ausgelöst durch eine beliebte Romantic Comedy entstand 1994 ein regelrechter „Run“ auf den Indischen Spitz.

Heute werden die Hunde vielfach auf dem Land als Wachhunde eingesetzt, erfreuen sich aber wegen ihrer Genügsamkeit, enormen Anpassungsfähigkeit, hohen Intelligenz und einfachen Pflege auch in städtischer Umgebung größter Beliebtheit.

Der Indische Spitz wird vorwiegend in einer langhaarigen, seltener einer kurzhaarigen Variante, beide mit doppeltem Fell, und in den ursprünglich auch hier verbreiteten zwei Größenschlägen

  • klein: 20/22 – 25 und
  • groß: 35 – 45cm

gezüchtet, hauptsächlich reinfarben weiß, vereinzelt aber auch in braun und schwarz, sehr selten gescheckt (der gescheckte Spitz wird als Fehlfarbe angesehen)

Von den lokalen indischen Zuchtverbänden [Indian National Kennel Club (INKC) und Kennel Club of India (KCI)] ist der Indische Spitz als eigenständige Rasse anerkannt.

Eine recht gute Rassebeschreibung – allerdings auf Englisch – findet man hier.

Von der FCI wird der Indische Spitz – ebenso wie auch der American Eskimo Dog – als eigenständige Rasse nicht anerkannt.

Der Japanspitz

Der genaue Weg des Spitzes nach Japan lässt sich heute nur noch lückenhaft nachvollziehen.

Vermutlich um 1920 brachten Auswanderer zunächst über Sibirien und Nord-Ost-China den Deutschen Spitz nach Japan. Nachdem er 1921 auf einer Hundeausstellung in Tokio das erste Mal offiziell vorgeführt wurde, sollte die Rasse in Japan weitergezüchtet und zu einer eigenständigen japanischen Rasse verändert werden. Dazu wurden Großspitze aus der ganzen Welt nach Japan importiert – selbstverständlich auch aus Deutschland. Diese Importe hielten noch bis in die 1970er Jahre an, wie aus nebenstehender Abbildung ersichtlich ist.

Die Spitze, die am ehesten den Vorstellungen der Züchter entsprachen, wurden ausgewählt, um mit ihnen, vermutlich auch unter Einkreuzung anderweitiger spitzartiger Hunderassen, die im asiatischen Bereich weit verbreitet und beliebt sind, weiter zu züchten.

1948 wurde vom Japan Kennel Club (JKC) (ein einheitlicher Standard für diese Hunderasse festgelegt, die als reiner Begleithund mit einer Größe von 30 bis 38 cm Schulterhöhe und einem etwas längeren Rücken reinfarben weiß gezüchtet werden.

1973 gelangten sie wieder zurück nach Euroa und werden seit 1990 hier weiter gezüchtet. Der Japan-Spitz wurde 1997 endgültig durch die FCI anerkannt.

Bibliografie

Die Angaben mit vorangestellter Jahreszahl beziehen sich auf wissenschaftliche Publikationen, die mit vorangestelltem Namen des Autors/der Autoren/Herausgebers auf Bücher und sind unter dem jeweiligen Link zu finden. (Sofern sie nicht ausschließlich käuflich zu erwerben sind!)

Diese und weitere Literatur finden Sie unter: Deutscher Spitz – Info-Zentrum

  1. Deutsches Ärzteblatt ↩︎